Bad Gastein (vs) l Nun steht der Winter schon vor der Tür und damit bricht für Rheumatiker wieder die schwerste Zeit im Jahr an. Eisige Temperaturen, nasskalter Regen oder kalte Polarwinde verstärken meist die Gelenksteifigkeit und starken Schmerzen der Betroffenen. Für viele ist der Griff zur Schmerztablette oftmals jedoch nur die letzte Lösung. Wer seinen Schmerzmittelverbrauch bei herannahenden Kältefronten nicht erhöhen will, sollte sich viel bewegen, auf Wärmetherapien zurückgreifen und eine Kur in Erwägung ziehen.

Dauerfrost im Winter wirkt sich jedoch auf rheumatische Erkrankungen oft unterschiedlich aus: Patienten, die unter aktiven entzündlichen Gelenkerkrankungen leiden, erfahren gelegentlich sogar Schmerzlinderung durch Kälte. „Dennoch sollten sie bei der frostigen Witterung kurze starke Kältereize vermeiden, um eine reaktive Hitze in den Gelenken nach dem Zurückkehren in geheizte Räume zu vermeiden“, weiß Dr. Bertram HölzI, wissenschaftlicher Leiter des Gasteiner Heilstollen und Experte für rheumatische Erkrankungen.

Viele kennen dieses Phänomen beim Schneeballformen mit bloßen Händen. Für einen kurzen Moment ist es kalt, hinterher werden die Hände oft heiß und rot. Eine Entzündung verstärkt sich oft durch starke Kältereize. Nur den wenigsten Rheumatikern geht es bei kühlen Temperaturen aber wirklich besser.

Gelenke gut einpacken

Die meisten haben vor allem bei Wind und Unterkühlung in den betroffenen Gelenkregionen mehr Schmerzen. Sie sollten die Gelenke gut einpacken, wenn sie sich draußen aufhalten. Gar nicht mehr das Haus verlassen, ist hingegen eine schlechte Alternative. Spazierengehen oder Radfahren tut Rheumatikern nämlich auch im Winter gut. Bewegung kann Studien zufolge, entzündliche Schübe reduzieren. Darüber hinaus wirkt sie rheumatischen Gelenkversteifungen entgegen, verhindert den muskulären Abbau und stärkt die Knochen. Zudem entlasten starke Muskeln strapazierte Gelenke. Neben Aktivitäten an der frischen Luft, helfen auch gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aquagymnastik oder Tanzen. Ärztlich verschriebenes Funktionstraining und Krankengymnastik lassen sich ebenfalls gut im Winter in Angriff nehmen.

Wer Wärme, Bewegungstherapien und Schmerzlinderung intensiv in Angriff nehmen will, kann dies im Rahmen einer Kur machen. So gibt es warme Heilstollen, in die Patienten einfahren können. Dort herrschen Temperaturen von über 37,5 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit bis zu 100 Prozent. Unter diesen Bedingungen entspannen sich schmerzende Muskeln.

Auch Radon, das mancherorts in geringen Mengen aus dem Berggestein austritt, hilft vielen Rheumatikern. „Das Naturheilmittel Radon regt die körpereigene Zellreparatur an und reduziert die Aktivität von Schmerzbotenstoffen. Je weniger aktiv diese sind, desto geringer sind die Schmerzen“, beschreibt Dr. Hölzl den Effekt. „Die Schmerzlinderung bis hin zur kompletten Beschwerdefreiheit hält bis zu neun Monate an.“ Vor allem Patienten mit entzündlichen Rheuma-Erkrankungen wie Morbus Bechterew, Rheumatoider Arthritis oder Psoriasis-Arthritis erzielen mit der Kur im Radonthermalstollen gute Effekte. Zudem bieten Kuranbieter ergänzend gezielte Bewegungsprogramme für Rheumatiker an. Krankenkassen übernehmen oft einen Großteil der Therapiekosten.