Havelberg l 110 Jahre! So alt ist der älteste Mann Deutschlands: Gustav Gerneth. Er ist in Havelberg zu Hause, wo ihn die Hansestadt am Donnerstag anlässlich seines Jubiläums mit dem Eintrag ins Goldene Buch ehrte. Er wollte keinen großen Rummel zu seinem Geburtstag, obwohl sich doch so viele angesagt hatten. Stattdessen war es ein kleiner Kreis aus Familie, ehemaligen Arbeitskollegen, Nachbarn und dem Bürgermeister, mit dem er sich an den Kaffeetisch setzte und plauderte. Dazu gehörten die Erinnerungen an seinen Geburtsort Stettin, wo er am 15. Oktober 1905 geboren wurde. Dort lernte er den Beruf des Maschinenschlossers, wurde Maschinist und erhielt 1924 sein Patent für die See- und Binnenschifffahrt. Er war auf allen großen deutschen Flüssen und auf der Ostsee zu Hause. Silvester 1930 lernte er seine Frau kennen. Ihr Vater kam aus Havelberg und hatte zwei Schiffe, auf denen Gustav Gerneth tätig war.

Geheiratet wurde in Havelberg, drei Söhne wurden geboren. Seit er nach dem Zweiten Weltkrieg aus russischer Gefangenschaft zurückkehrte, arbeite er im Havelberger Gaswerk. Wie kreativ er war, zeigen in seiner Wohnung Lampen und Kerzenständer aus Holz, Kupfer und Messing. Eine künstlerische Ader, die Enkelin Christine wohl von ihm geerbt hat. Ihr nennt er seine Einkaufswünsche, denn an den Wochenenden kocht er seine Lieblingsgerichte selbst. Gern Fisch oder Rouladen. „So leichte Arbeiten wie Staubsaugen mache ich auch noch selbst“, erzählt er gestern. „Mein Kraftwerk funktioniert noch ganz gut. Ich hatte ja immer mit dem Sänger Heesters konkurriert, aber der ist schon mit 108 gestorben.“