Magdeburg l Strom- und Gaspreise am Weltmarkt fallen weiter, doch leider hat der Kunde nichts davon. Gaspreise in Sachsen-Anhalt fluktuieren, Strompreise schnellen weiter in die Höhe. Das liegt daran, dass Entgelte und Steuern gut drei Viertel des Strompreises ausmachen.

Stadtwerke, die günstig einkaufen und wirtschaftlich arbeiten, beeinflussen damit nur noch 21 Prozent ihrer Preise. Das schätzt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Verbraucherschützer warnen trotzdem davor, sich an den billigsten Anbieter zu binden. 2017 können die Preise nämlich schon ganz anders aussehen.

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Warum sind die Entgelte so hoch?

Der Osten Deutschlands hat mit besonders hohen Netzentgelten zu kämpfen. Kunden bezahlen im Bundesdurchschnitt nur 250 Euro im Jahr für den Transport ihres Stromes durch die Netze. In Ostdeutschland sind es um die 300 Euro, so eine Studie des Vergleichsportals Verivox. Netzentgelte machen etwa ein Viertel des Strompreises aus. Investitionen in Windkraft-Umspannanlagen sind in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich hoch. Gleichzeitig ist die Bevölkerungsdichte sehr niedrig. Deshalb sind Netzentgelte im Land teuer als anderswo.

Steuern sind für weitere 50 Prozent des Strompreises verantwortlich. Mit 6,35 Cent pro Kilowattstunde schlägt die Ökostrom-Umlage am stärksten zu Buche. Im Vorjahr kostete sie noch 6,17 Cent pro Kilowattstunde. 2007 betrug sie sogar nur gut 1 Cent. Durch die Ökostrom-Umlage bezahlt Sachsen-Anhalt gleich nochmal für die Energiewende. Sie ist anders als die Netzentgelte für alle Stromkunden in Deutschland gleich hoch.

Warum sind die Preise so unterschiedlich?

Wie die Netzentgelte berechnet werden, wissen nur Stromanbieter und Netzbetreiber. Diese Preise sind nicht öffentlich. In Sachsen-Anhalt kann das Netzentgelt zwischen vier und acht Cent pro Kilowattstunde liegen, sagt Thomas Pietsch, Vertriebsleiter der Städtischen Werke Magdeburg. In Deutschland gibt es im europäischen Vergleich sehr viele Netzbetreiber. Deswegen variieren die Netzentgelte selbst innerhalb Sachsen-Anhalts sehr stark.

Außerdem hängt der Preis davon ab, wann ein Anbieter Strom und Gas an der Börse kauft. Manche Anbieter bleiben Monate oder sogar Jahre bei dem Börsenpreis eines Tages. Auch wenn jeder versucht, am günstigsten Zeitpunkt zu kaufen, sind Schwankungen am Weltmarkt unvorhersehbar. Niedrigere Preise kommen nicht direkt beim Verbraucher an.

Lohnt sich der Wechsel?

Ja, sagt Lisa Högden von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Viele Verbraucher würden immer noch durch Altverträge beliefert, die inzwischen teurer seien als jeder Neuvertrag.

Wer wechseln will, sollte aber (egal in welchem Bundesland) genau hinschauen, welche Boni des neuen Anbieters nach ein paar Jahren verfallen. Es lohnt auch, sich nicht ewig an einen Anbieter zu binden, da sich Preise schnell ändern können. Wer auf lange Sicht der günstigste Anbieter ist, bleibt schwer vorherzusagen.

Högden rät, lieber einmal mehr zu wechseln. „Man muss sich keine Sorgen machen. Strom kommt immer weiter aus der Steckdose. Egal, ob man gerade den Anbieter wechselt.“ Für Benutzer, denen das zu stressig ist, empfiehlt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, beim Preisvergleich nach anderen Stadtwerken als den heimischen zu suchen.

Der Grund: Stadtwerke kalkulierten solider als Discount-Anbieter. Großlieferanten seien zwar günstiger, hielten ihre Billigtarife aber meist nicht lange durch.

Beide Verbraucherschützer sind sich einig: Nur durch Wechseln zwingt der Kunde die Anbieter, Preise zu senken.