Magdeburg l Das Risiko, im Abitur zu scheitern, ist für Sachsen-Anhalts Schüler niedrig wie lange nicht. Das geht aus Daten der Kultusministerkonferenz hervor. Fiel 2010 noch jeder 14. durchs Abi (7,4 Prozent), war es 2018 nur noch jeder 22. (4,6 Prozent). Das Land nähert sich damit von einem schlechteren Niveau kommend dem Bundesdurchschnitt an.

Hier fiel 2017 jeder 24. Schüler durch (4,1 Prozent), Tendenz negativ. Beim Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern scheiterte auch 2017 jeder 14. Der Positivtrend in Sachsen-Anhalt beschränkt sich nicht allein auf die Durchfaller-Quote.

Sind die Abiturienten besser geworden? „Keinesfalls signifikant“, sagt Philologenverbandschef Thomas Gaube. Im Gegenteil: „Durch fehlende Zugangsbeschränkungen wie eine verbindliche Schullaufbahnempfehlung gehen mehr und auch schwächere Schüler aufs Gymnasium.“ Verbesserungen führt der Sprecher der Gymnasiallehrer vor allem auf die „Aufweichung“ der Abi-Spielregeln zurück.

Tatsächlich zählte das sachsen-anhaltische Abitur lange zu den schwersten. Nach dem Fall zentraler Vorgaben 1999 zog das Land die Zügel besonders straff: Statt zwei Leistungskursen führte es 2007 sechs Kurse auf erhöhtem Niveau ein. 2013 kassierte es dann komplett die Möglichkeit, schlechtere Halbjahresergebnisse zu streichen. Nach Eltern-Kritik folgte ab 2014 die Wende: In einem ersten Schritt durften Abiturienten bessere Kurshalbjahresergebnisse doppelt zählen lassen. Später konnten Schüler bis zu acht schlechtere von 44 Kurshalbjahren aus der Note streichen. Und: Auch bei null Punkten in einem Prüfungsfach bleibt das Abi jetzt möglich.

Die Gymnasiallehrer kritisieren die „Anpassung nach unten“. Bei der Lehrergewerkschaft GEW fällt die Bewertung anders aus: „Die Änderungen haben für mehr Chancengleichheit unserer Schüler mit denen anderer Länder gesorgt“, sagte Chefin Eva Gerth. Der Reformprozess geht weiter. Um das Abi mit Blick auf andere Bundesländer vergleichbarer zu machen, kehrt Sachsen-Anhalt zum neuen Schuljahr zum klassischen System mit drei Leistungskursen zurück. Mathe-Unterricht auf Leistungskurs-Niveau etwa ist nicht länger Pflicht.

Da sämtliche Erleichterungen frühestens 2015 griffen, können sie den Aufwärtstrend in Gänze nur unzureichend erklären. Das Bildungsministerium führt Verbesserungen vor allem auf die enge Begleitung der Schulen beim Abi zurück. Dazu gehörten Ursachen-Analysen und Lehrer-Fortbildungen, so die Behörde.