Wenigerode l Helmut K. war Mitte 40 und arbeitslos, als er in die Altenpflege wechselte. Zunächst als ungelernte Kraft, später als umgeschulter Pflegehelfer. Zurst lernte er einen handwerklichen Beruf und arbeitete lange auf dem Bau, später entschied er sich dann für den Beruf, der seiner sozialen Ader entspricht. Nach dem Praktikum im Altenheim stand fest: „Ich will mich um Pflegebedürftige kümmern und dafür sorgen, dass sie ihren Lebensabend trotz Heim genießen können.“

Nestbeschmutzer

Doch das ist leichter gesagt als getan. Das weiß der 57-Jährige nur zu gut. Er will anonym bleiben, weil in dem Ort, wo er gearbeitet hat, jeder jeden kennt. Er ist vorsichtig geworden, denn die Erfahrung hat gezeigt: Wer die Wahrheit ausspricht, wird eher als Nestbeschmutzer gebrandmarkt denn als Held der Arbeit gefeiert: „Gerade im Pflegebereich machen viele die Augen zu, statt Missstände offen anzusprechen.“

Die Fehler liegen im System, sagt der Ex-Pfleger: „Die Alten haben keine Lobby.“ Und der Beruf als Altenpfleger bekomme nicht die Wertschätzung in der Öffentlichkeit, die er verdient. Von der schlechten Bezahlung mal ganz abgesehen.

Alt werden, so seine Eindrücke aus zehn Jahren Pflegearbeit, sei nicht in jedem Fall ein erstrebenswertes Ziel. Wie auch – wenn selbst im Pflegebereich Kosten-Nutzen-Rechnungen aufgemacht und vieles auf Rentabilität und Gewinn getrimmt wird? „Da bleiben Menschlichkeit und soziales Gewissen schon mal auf der Strecke“, legt der Harzer den Finger in die Wunde.

Verbitterte Heimbewohner

Als Pflegehelfer hat er alles gesehen und viel erlebt. Er könnte ein Buch schreiben über zu wenig oder wechselndes Personal, verpasste Familienfeiern, Überstunden oder verbitterte Heimbewohner, die handgreiflich werden. Über junge Kollegen, die Bock auf Party, aber keinen auf Wochenenddienste haben. Über Zeitdruck, Stress und Rückenschmerzen und die ständige Angst im Nacken, wegen der Arbeitsbedingungen folgenschwere Fehler zu machen.

„Vor allem nachts ist oft der Teufel los – zehn Stunden lang rennst du hin und her - morgens bist du fix und alle“, erinnert sich K. und wirbt für Nachsicht, wenn einer Pflegekraft doch mal das Lachen vergehen sollte: „Den möchte ich mal sehen, der zum dritten Mal in einer Schicht den Bewohner samt kotbeschmierter Wand, Bett und Rollstuhl säubert und freudestrahlend sagt: Nicht so schlimm, Herr Meyer, kann doch mal passieren!“

Und doch trauert K., der nach zehn Jahren ausgestiegen ist, um sich nunmehr vollerwerblich dem Gartenbau zu widmen, den alten Zeiten hinterher: „Der Pflegeberuf hat auch viele schöne Seiten. Ich vermisse das Leuchten in den Augen der Bewohner beim ,Guten Morgen’ oder die Dankbarkeit für eine helfende Hand.“

In Sachsen-Anhalt leben rund 90.000 Pflegebedürfige, fast ein Drittel davon ist in einem  Heim untergebracht.

Steven Kriebel arbeitet aus Leidenschaft in einem Altenheim in Niederndodeleben.

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