Magdeburg l Margit Metzeler wird von ihrer Begleiterin untergehakt. Alleine darf die 85-Jährige aus gesundheitlichen Gründen nicht raus. Die Lösung des Problems heißt Lisa Hilbenz. Die Auszubildende hat eigentlich schon Dienstschluss, doch sie weiß, wie gerne die Heimbewohnerin zum Garten der Pfeifferschen Stiftung spaziert. „Das passt schon“, nimmt sich die 29-Jährige die Zeit. „Die paar Minuten habe ich noch. Und wenn ich das Strahlen in den Augen sehen, dann bin ich auch happy.“

Die zierliche Person ist Frau Metzelders Liebling: „Die Lisa ist ein taffes Mädchen. Sie ist immer gut drauf, hilfsbereit und hat ein persönliches Wort für einen übrig.“ Dass sie ihren Job mit Leib und Seele mache, spüre man sofort: „Unsere Lisa ist einfach die Beste!“

Aushängeschild der Pfeifferschen Stiftung

Die angehende Altenpflegerin ist in der Tat das Aushängeschild der Pfeifferschen Stiftung und der Berufsschule „Dr. Otto Schlein“. Sie ist sogar eine der Besten ihrer Zunft in Deutschland. Beim Bundeswettbewerb „Beste Schüler in der Alten- und Krankenpflege“ hat Lisa Hilbenz den 2. Platz belegt. Beim Vergleich mit 30.000 Schülern musste sie nur einem Krankenpfleger-Azubi aus Bad Pyrmont den Vortritt lassen.

Zur Belohnung gab es eine Reise nach London. Verdientermaßen, meint auch Pflegedienstleiterin Anne Wedlich. Die Vorgesetzte schwärmt von ihrer Musterschülerin: „Lisa ist einer der wenigen Menschen, der hält, was er verspricht. Sie hat nicht nur top Schulnoten, sondern glänzt auch in der Praxis. Ob Heimbewohner oder Angehörige, Kollegen oder Ausbilder – alle sind begeistert von ihr.“

Und sie ist nach wie vor – anders als viele Mitschüler, die zwischendurch die Ausbildung geschmissen haben – begeistert von ihrem Job, den sie ab 1. August als Fachkraft ausübt: „Altenpflegerin ist mein Traumberuf. Hier ist mein Zuhause.“ Der reale Heimalltag sei so viel besser als sein Ruf: „Das ist viel mehr als ,Hinternabwischen’. Für mich ist es ein Geben und Nehmen. Die Dankbarkeit der Bewohner rührt mein Herz und ich habe viel von den alten Leutchen gelernt. Die Erfahrungen haben meine Einstellung zum Leben geändert.“

Hotelfachfrau gelernt

Dabei war alles eher „glückliche Fügung“ denn ein Plan. Ursprünglich hat die gebürtige Sächsin nach ihrem Realschulabschluss Hotelfachfrau gelernt. Doch zufrieden war sie damit nicht. Der Liebe wegen zog sie nach Magdeburg. „Mein Freund war auch Pfleger und glücklich damit. Ich dachte mir: Schauen wir mal, ob das auch was für mich ist.“ Der Weg führte sie zu Pfeifers. Ein „Volltreffer“, wie sich herausstellte. Das Praktikum und die zwei Jahre als Pflegehelferin bestärkten sie in dem Vorhaben, sich noch einmal drei Jahre auf die Schulbank zu setzen: „Es war eine bewusste Entscheidung, mich professionell um alte Menschen zu kümmern, sie zu pflegen und ihren Alltag bunter zu machen.“ Anne Wedlich stand von Anfang an hinter der Frohnatur: „Ich habe sie mir gleich gekrallt.“ Und nicht mehr losgelassen: „So einen Pflege-Edelstein muss man festhalten.“

In Sachsen-Anhalt leben rund 90.000 Pflegebedürfige, fast ein Drittel davon ist in einem  Heim untergebracht.

Helmut K. ist nach zehn Jahren ausgestiegen.

Steven Kriebel arbeitet aus Leidenschaft in einem Altenheim in Niederndodeleben.

Auszubildende Lisa Hilbenz hat ihren Traumberuf gefunden.