Magdeburg l Der Garzer Michael Hagen kämpft. Die Muskeln sind angespannt, der Blick fokussiert, der Gegner 60 Kilogramm schwer und 2,14 Meter lang. Am anderen Ende der Angel, in der Havel bei Strodehne, hat ein Riesen-Wels den Kunstköder verschluckt. Der von Sebastian Gratzke gesteuerte Kahn wird von dem Süßwasserfisch 300 Meter weit die Havel entlang gezogen. 40 Minuten dauert dieser Kampf. Die Sehne hält durch, ebenso wie Hagen selbst. Der Lohn: ein Mega-Wels und damit der Fang seines Lebens. 

Damit reiht sich der Garzer in eine immer länger werdende Liste der Angler ein, die in Sachsen-Anhalt einen Riesen-Wels gefangen haben. "Aus Gesprächen mit vielen Anglern kann ich sagen, dass es tatsächlich immer mehr Angler gibt, die große Welse fangen", sagt Andreas Schlüter vom Landesfischereiverband Sachsen-Anhalt. Ein Hauptgrund seien die hohen Temperaturen 2018 gewesen. "Der Wels braucht hohe Temperaturen zum Laichen und die hatten wir in diesem und auch in den vergangenen Jahren", so Schlüter.

Auch der Arneburger Christian Frank profitierte von diesen Bedingungen. Sein Monster-Wels, den er im Juli aus der Elbe gezogen hatte, war 60 Kilogramm schwer und 2,10 Meter lang. Frank benötigte ebenfalls 40 Minuten. Dann war das Duell entschieden und der Fisch an Land. Zehn Hände waren für das obligatorische Erinnerungsfoto erforderlich. Fotos mit den Riesen aus den Flüssen Sachsen-Anhalts sind hingegen für Mario Kammrath keine Seltenheit.

"Monster"-Welse aus Sachsen-Anhalt

Magdeburg (rk) l Flach gedrückter Kopf, nackte Haut und eine nicht unbedingt charmante Erscheinung: Der Wels wird bei Hobby-Anglern vor allem aufgrund seiner Größe und Masse geschätzt. Auch in Sachsen-Anhalt konnten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Angler über einen "Monster"-Wels freuen.

  • Der Garzer Michael Hagen (rechts) hatte diesen 2,14 Meter langen und 60 Kilogramm schweren Wels mit der Barschrute bei Strodehne gefangen. Sebastian Gratzke steuerte den Kahn. Foto: Ingo Freihorst

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  • 2,10 Meter lang und 60 Kilogramm schwer: Um diesen „Monster“-Wels zu halten, müssen zehn Hände her. Mit seinem Riesenwels hat der Arneburger Christian Frank (2. v. r.) am 23. Juli in der Nähe von Sandau für Aufsehen gesorgt. 40 Minuten benötigten Frank und sein Freund Sven Marggraf, um den Süßwasserfisch an Land zu ziehen. Wieder einmal erwies sich die Elbe als beliebtes Territorium für einen Riesenwels. Foto: Sven Marggraf

    2,10 Meter lang und 60 Kilogramm schwer: Um diesen „Monster“-Wels zu halten, mü...

  • Während viele Angler hoffen, einmal in ihrem Leben einen Riesenwels aus dem Wasser zu ziehen, sind große Fänge für Mario Kammrath keine Seltenheit. Er zog 2017 zehn Welse innnerhalb von nur einer Woche aus der Elbe. Sein bisher größter Fang gelang ihm 2016 an der Elbe zwischen Grieben und Rogätz. Der selbst 1,97 Meter große Tangerhütter konnte diesen Fang von 2,02 Meter Länge nur liegend an der Böschung des Flusses präsentieren. Foto: M. Wienecke

    Während viele Angler hoffen, einmal in ihrem Leben einen Riesenwels aus dem Wasser zu ziehen...

  • 20 Minuten benötigten Christian Graßhoff (l.) und Frank Miosga, um ihren „Monster“-Wels 2008 aus der Elbe bei Prödel zu ziehen. „In sein Maul hätte ein Kopf reingepasst“, sagte Graßhoff damals. Kurios: Der Angler isst selbst keinen Fisch, machte aber bei diesem Prachtexemplar eine Ausnahme und verkündete: „War echt lecker.“ Der Wels war 1,75 Meter lang und wog 32 Kilogramm. Foto: D. Apel

    20 Minuten benötigten Christian Graßhoff (l.) und Frank Miosga, um ihren „Monste...

  • Siegfried Kurpios (r.) aus Hindenburg benötigte beim Fototermin mit seinem Riesenfang Unterstützung von André Fricke. Zwei Hände waren für diesen 30 kg schweren und 1,68 m langen Wels zu wenig. An den Haken ging der Fisch ausnahmsweise einmal beim Angeln an der Elbe, sondern beim Ausflug an den „Blauen See“ bei Kannenberg. Foto: Kurpios

    Siegfried Kurpios (r.) aus Hindenburg benötigte beim Fototermin mit seinem Riesenfang Unters...

  • Auch beim Abfischen aus dem Birkenteich in Wüstenjerichow (Jerichower Land) entdeckten Hobby-Angler 2009 diesen Riesenwels, der immerhin 1,60 m lang und 43,5 Kilogramm schwer war. Foto: Bettina Schütze

    Auch beim Abfischen aus dem Birkenteich in Wüstenjerichow (Jerichower Land) entdeckten Hobby...

  • Mit diesem 2,20-Meter-Wels zog Fischermeister Wilfried Schulz (links) den größten Fang in seiner 46-jährigeen Berufslaufbahn an Land. Geholfen hatte ihm dabei der Rhinower Helmut Haisch. Foto: Ingo Freihorst

    Mit diesem 2,20-Meter-Wels zog Fischermeister Wilfried Schulz (links) den größten Fang in seiner ...

Viele Welse aus der Elbe

Zehn Welse in einer Woche zog der Tangerhütter 2017 aus der Elbe. Zwischen Grieben und Rogätz fing Kammrath 2016 unter anderem einen 2,10 Meter großen Wels. Fischereimeister Wilfried Schulz gelang 2016 der "Fang seines Lebens". Nahe dem brandenburgerischen Cumlosen zog der Garzer einen 2,20 Meter langen und 72 Kilogramm schweren Wels aus der Elbe - mit selbstgebastelter Fangreuse. Das Fleisch landete anschließend auf den Tellern im Havelberger Art-Hotel.

Dass immer mehr Monster-Welse gefangen werden, habe Vor- und Nachteile, sagt Schlüter. "Viele Angler denken, Sie tun Gutes, wenn sie die kleineren Welse aus den großen Flüssen in den heimischen Seen wieder aussetzen, aber das ist alles andere als gut", sagt der Experte. Der Wels fresse nämlich in Folge dessen alle anderen Fische, wodurch das natürliche Gleichgewicht in Schieflage gerät. In Sachsen-Anhalts Flüssen hingegen sei der Weißfisch-Bestand ohnehin zu hoch und der Wels trage auch zu einem positiven Bild der Biomasse bei. "Am Ende kommt es immer darauf an, dass der Fisch vernünftig verwertet wird", sagt Schlüter.