Halle l Die Schweine von Hubertus von Rundstedt fühlen sich sauwohl. Frischluft, Sonne, ab und an auch mal Regen - die Tiere können das erleben, von dem viele ihrer Artgenossen in konventioneller Tierhaltung nur träumen können. Denn sie haben die Möglichkeit, jederzeit vom Stall in den Auslauf wechseln.

Auch angebissene Schwänze gebe es in der Rundstedt’schen Gutsverwaltung laut Landwirtschaftsministerium nicht, die Tiere hätten genug andere Möglichkeiten sich zu beschäftigen und auszutoben. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen in großen Sauenzuchtanlagen müssten die Schweine deshalb auch nicht kupiert, also ihre Schwänze gestutzt werden.

Biohaltung als Vorreiter

Für diese Art von Biohaltung wurde die Rundstedt’sche Gutsverwaltung am Donnerstag im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle mit dem ersten Platz des Tierschutzpreis ausgezeichnet. „Auf dem Hof von Hubert von Rundstedt haben die Tiere genügend Platz und Bewegung, um ein artgerechtes Leben zu führen“, beschreibt der Tierschutzbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt Marco König einen wichtigen Aspekt der Preisvergabe.

Um dies zu überprüfen, hat eine dreiköpfige Bewertungskommission alle Einrichtungen bereist, die sich für den Tierschutzpreis beworben hatten. Das waren in diesem Jahr lediglich vier Betriebe. „Wir hätten uns mehr Bewerber erhofft, zumal es mit Sicherheit auch mehr Betriebe im Land gibt, die ihren Tieren artgerechte Möglichkeiten bieten“, sagt Marco König.

In die Bewertung sind Kriterien wie Platzangebot, die Möglichkeit artgerechten Sozialverhaltens, Beschäftigungsmöglichkeiten, Hygiene sowie Umweltverträglichkeit eingeflossen. Ein besonderes Augenmerk wurde in diesem Jahr auf das Thema „Schaffung unterschiedlicher Funktionsbereiche“ gelegt, also verschiedene Bereiche zum Ruhen, Fressen, Kotabsetzen und zur Beschäftigung, denn „in freier Wildbahn würde ein Tier nie dort sein Geschäft verrichten, wo es auch schläft und frisst“, wie Marco König sagt.

Mehr Platz als nötig

Generell wurde bei der Prämierung darauf geachtet, dass in den Betrieben der Platz pro Tier über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehe.

Dies ist auch bei dem zweitplatzierten Betrieb, dem Landhof Klamroth, der Fall. Dort züchtet man Milchkühe. Um den Tieren in ihren Liegeboxen genügend Platz zu gewähren, werden sie vorher vermessen und der Tiergröße entsprechend angepasst. Außerdem setzt man auf Melkroboter. Diese Technik kann zudem die Aktivität und weitere physiologische Daten der Kühe erfassen, worauf man auf das Tierwohl schließen könne, wie Christoph Kurt Klamroth, der Chef des Familienbetriebs in Westerhausen bei Thale, sagt.

Weiterhin haben die Kühe durch die Melkroboter mehr Freizeit. Feste Melkzeiten gebe es nicht. „Die Kuh ist ihr eigener Herr und entscheidet, wann sie gemolken werden möchte“, so Christoph Kurt Klamroth.

Hoffnung auf positive Signale

Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne), die die Preise übergeben hat, wünscht sich, „dass von der Verleihung des Tierschutzpreises positive Signale auf die Tierhaltungen in Sachsen-Anhalt ausstrahlen.“