Arendsee/Schönhausen l Dichter Nebel bedeckt den Arendsee ganz im Norden der Altmark. An diesem Herbsttag kommt Sehnsucht auf – Sehnsucht nach Licht, nach Wärme, nach Sommer. Die Jahreszeit, in der in Arendsee der Hollywood-Nachwuchs im Jugendfilmcamp zu Gast ist, um solche Szenen für einen ihrer Filme festzuhalten.

„Seit fünf Jahren drehen Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren jedes Jahr im Sommer in kleinen Teams ihre eigenen Kurzspielfilme und lernen so die verschiedenen Arbeitsbereiche vor und hinter der Kamera kennen“, erklärt Schauspieler und Organisator Norman Schenk. Für diese Arbeit ist das Filmcamp gestern in Wanzleben mit dem ersten Platz beim Tourismuspreis „Vorreiter“ des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden.

„Als wir das Grundstück damals betraten, war der bauliche Zustand desaströs. An ein Arbeiten, wie es heute möglich ist, war damals nicht zu denken. Dank der Hilfe von Einwohnern, Handwerkern sowie vielen ehrenamtlichen Helfern der Stadt und Gemeinde verwandelte sich das Objekt in das heutige 6000 Quadratmeter große Jugendfilmcamp.“

Bilder

100 Kurzfilme aus Arendsee

So konnten in den zurückliegenden Jahren mehr als 100 Kurzfilme in Arendsee entstehen. Viele Streifen werden jährlich auf entsprechenden Film-Festivals präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet. Das sei laut Norman Schenk jedoch nur ein positiver Aspekt des Projektes.

Im Sommer 2018 waren mehr als 600 Teilnehmer, die mittlerweile nicht nur aus Deutschland und den angrenzenden Ländern, sondern auch aus außereuropäischen Ländern anreisen, in den verschiedenen Formaten des Jugendfilmcamps. „Für die Auslastung der vorhandenen touristischen Infrastruktur ergeben sich auf diese Weise wichtige zusätzliche Impulse“, erzählt der 49-Jährige. Eltern und Angehörige übernehmen dabei nicht nur die An- und Abreise der Teilnehmer. Sie verbringen auch einen Teil ihres Urlaubs in der Altmark. „So wächst das Projekt kontinuierlich und nachhaltig“, wie Norman Schenk bilanziert. Hinzu komme, dass die Identifikation der Gemeinde Arendsee mit dem Jugendfilmcamp sehr hoch sei und im Gegenzug durch die künstlerische Arbeit eine Dokumentation des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt erfolge. Das sei jedoch nur unter einer Bedingung möglich.

„Im strukturschwachen Arendsee gibt es zwei Ressourcen, die in der heutigen Zeit knapp sind: Raum und Zeit“, erklärt Norman Schenk. Es seien der Abstand von allen tatsächlichen und eingebildeten Ablenkungen der Metropolen sowie viele interessante Drehorte, weswegen die Jugendlichen so kreativ seien. Hinzu kommt, „dass die Medienbranche für viele junge Menschen eine attraktive Karriereoption im Zeitalter der Digitalisierung ist“, schätzt der 49-jährige Schauspieler ein.

So bringen Raum und Zeit die Mitarbeiter im Projekt ‚Jugendfilmcamp Arendsee‘ auf synergetische Weise zusammen. Aber auch die Jugendlichen. Die können sich nämlich jeweils für eine Woche in den Bereichen Regie, Kamera und Schauspiel im Camp austoben.

Zahlreiche Specialworkshops

„In zuvor erstellten Teams besteht außerdem die Möglichkeit, an Specialworkshops teilzunehmen”, erklärt Normen Schenk. Das sind unter anderem Digitale Fotografie, Dokumentarfilm, Gamedesign, Filmmusik, Stunt and Action oder auch der Bereich Maske. Ein Konzept, das jedes Jahr aufs Neue mehr Jugendliche nach Arendsee lockt.

Ein Grund, warum Norman Schenk, die Mitarbeiter sowie ehrenamtlichen Helfer, „ohne deren Arbeit ein Jugendfilmcamp nicht zu organisieren wäre“, so lobt Schenk, positiv in die Zukunft blicken. „Die nächsten Schritte auf diesem Weg werden in Richtung Ganzjährigkeit des Angebots gehen und die ersten Planungen für die Umsetzung der Vision ‚Filmstadt Arendsee‘ haben bereits begonnen“, erzählt Norman Schenk, für den das Jugendfilmcamp seit nunmehr fünf Jahren eine Herzensangelegenheit ist.

Mit viel Herz arbeiten für gutes Essen

Mit viel Herz, aber auch herzhaft arbeiteten hingegen die Küchenspione im Elb-Havel-Winkel in den zurückliegenden Monaten. Was wird eigentlich in der Region aufgetischt? Mit dieser Frage starteten Björn Gäde (LEADER-Manager), Marina Heinrich (Kultur und Tourismus Hansestadt Havelberg) und Jenny Freier (Tourismusmanagerin der Verbandsgemeinde im Elbe-Havel-Land) Anfang des Jahres 2018 die gemeinsame, alljährliche Imagekampagne der Region als Blogger-Aktion.

„Einmal im Monat spionierten wir abwechselnd bei Profi- und Hobbyköchen in den Pfannen und Töpfen zwischen Elbe und Havel“, erzählt Jenny Freier. Dabei waren traditionsreiche Gerichte wie Berheé oder Bierfisch bis hin zu modernen Rezepten mit regionalen Produkten wie dem Wagyu-Burger oder der Spargel-Quiche auf der Speisekarte. „Neben den kulinarischen Standorten wurden dabei auch die touristischen Highlights und Projekte im Elb-Havel-Winkel vorgestellt und besucht“, stellt Björn Gäde das Projekt weiter vor.

Bei ihren Entdeckungstouren wurden die Küchenspione außerdem abwechselnd von Food-, Lifestyle- oder Reise-Bloggern, die in den digitalen Medien über ihre Erlebnisse berichten und damit für das ländliche Reiseziel online werben, begleitet. Dabei ist die Reichweite der Blogger nicht zu unterschätzen. „Zwischen 5000 und 60 000 Menschen sahen so pro Beitrag und Monat, was die Blogger in unserer Region erlebten“, fasst es Marina Heinrich zusammen.

Werbung für die Region

Follower konnten so anhand der verschiedenen Blogbeiträge und den Berichten bei Facebook, Instagram, Twitter und weiteren Internetplattformen die Reise der drei unter dem Hashtag #Küchenspione verfolgen und sich kulinarisch sowie für den nächsten Ausflug inspirieren lassen. Jenny Freier ist sich sicher, dass durch die Imagekampagne für das Jahr 2018 nicht nur die Einheimischen für die Besonderheiten und Projekte der Region sensibilisiert, sondern auch insbesondere potenzielle Besucher auf den Elb-Havel-Winkel aufmerksam gemacht wurden. „Viele junge Familien und Paare legen mittlerweile einen hohen Wert auf Nachhaltigkeit in Bezug auf regionale Produkte und saisonale Gerichte“, ist sich die 35-Jährige sicher.

Die Blogger-Aktion steigere demnach in besonderer Art und Weise die Bekanntheit der Region. „Das Projekt zeigt auf, wie kleine ländliche Kommunen mit viel Engagement die modernen Kommunikationstechnologien und Social-Media-Kanäle erfolgreich nutzen können und in Kooperation sich auf dem digitalen Markt einen Raum schaffen.“ „Dies kann ein Vorbild für andere Regionen im Land Sachsen-Anhalt sein“, fasst es Björn Gäde zusammen. Einmalig an der Kampagne ist nämlich landesweit die interkommunale Kooperation der Hansestadt Havelberg, der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land und der LEADER-Aktionsgruppe.

Ebenso einmalig waren für Björn Gäde, Marina Heinrich und Jenny Freier die Eindrücke, die sie in den zurückliegenden fast zwölf Monaten aufnehmen konnten. „Es war in jedem Monat sehr, sehr familiär und vertraut. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass uns jemand einfach so in seine Küche lässt“, freut sich Jenny Freier über die zurückliegenden zwölf Kochveranstaltungen, die auch stets von der Volksstimme begleitet wurden.

Als Abschluss des Projektes werden die Spione am Ende des Jahres ihre Ergebnisse noch einmal zusammenfassen. Es sind ein Jahreskalender sowie ein kleines Heft mit Bildern und Rezepten zu den ausgewählten zwölf Gerichten für das Jahr 2019 geplant. „Hinzu kommt, dass wir am 12. Dezember einen Abend organisieren, zu dem alle eingeladen werden, die sich an der Aktion beteiligt haben”, freut sich Jenny Freier. Besonderheit an dem Tag? Die Küchenspione stellen sich selber vor den Herd, um alle zu bekochen.

Neue, innovative Projekte

Eine Sache haben dabei das „Jugendfilmcamp Arendsee“ als auch die „Küchenspione im Elb-Havel-Winkel“ gemeinsam. Sie nahmen in diesem Jahr am Vorreiter-Tourismuspreis des Landes Sachsen-Anhalt teil. Der Tourismuspreis des Landes Sachsen-Anhalt zeichnet neue, frische und innovative Produkte, Ideen und Dienstleistungen touristischer Betriebe in Sachsen-Anhalt aus. Der Wettbewerb wird seit 2001 ausgelobt; seit 2009 werden die Gewinner mit dem Pokal „Vorreiter“ ausgezeichnet.

Seit Mittwoch ist klar: Beide Projekte aus der Altmark haben die zwei besten Platzierungen erreicht. Sie wurden gestern bei der Preisverleihung auf der Burg Wanzleben (Börde) ausgezeichnet. So belegten die Küchenspione im Elb-Havel-Winkel den zweiten Platz des Wettbewerbes. Das Jugendfilmcamp hingegen den ersten Platz. Dotiert sind die Preise immerhin mit insgesamt 7500 Euro.

„Wir freuen uns, dass wir überhaupt für den Preis nominiert wurden”, erklärt Norman Schenk, für den es eine Bestätigung der Arbeit des kompletten Teams ist, das Jahr für Jahr für jungen Menschen eine Plattform bietet.