Magdeburg l Polizeihauptmeister Thorsten Weise und seine Kollegin Stephanie Karbe stellen sich am Mittwoch einem jungen Mann im Magdeburger Hauptbahnhof in den Weg: „Hier herrscht heute ein Waffenverbot und wir möchten in ihre Tasche sehen.“ Er wirkt unruhig, nicht nur weil sein Bus in wenigen Minuten abfährt. Die Beamten finden zwar kein Messer oder gar eine Pistole bei ihm, dafür aber ein kleines Tütchen Crystal. Grund genug für die Beamten, sich die Sache näher anzusehen. Sie führen den jungen Mann in den „Befragungsraum“. Das Wort steht in zehn Sprachen an der Tür, in diesem Fall ist das aber unnötig. Die weitere Durchsuchung seiner Sachen bringen aber keine weiteren Erkenntnisse. Weise schreibt noch eine Strafanzeige, dann darf der Mann zum Bus.

Solche verdachtsunabhängigen Kontrollen sind sonst nur unter bestimmten Umständen zulässig. „Aus diesem Grund ist eine Allgemeinverfügung erlassen worden, die das Tragen von Waffen und gefährlichen Werkzeugen aller Art im Bereich des Bahnhofs in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr untersagt“, erklärt Bundespolizeisprecherin Chris Kurpiers. Wer dagegen verstößt, kann mit 200 Euro zur Kasse gebeten werden. „Allerdings haben wir auch einen Ermessensspielraum. Uns geht es um ein bestimmtes Klientel“, sagt sie.

Halle soll folgen

Die verstärkten Kontrollen begründet der Leiter der Bundespolizeiinspektion Magdeburg, Polizeioberrat Alexander Schmelzer, mit der gestiegenen Gewaltkriminalität auf den Bahnhöfen. „Und bei vielen Körperverletzungen sind leider auch Waffen oder gefährliche Werkzeuge im Spiel“, sagt er. Magdeburg sei in Sachsen-Anhalt ein Brennpunkt. Die Hälfte aller Gewalttaten wurden im vergangenen Jahr hier registriert. Diese Delikte in den Bahnhöfen des Landes stiegen um 125 Prozent. Aus diesem Grund habe man sich auch in Magdeburg zu der befristeten Waffenverbotszone mit begleitender Kontrolle entschlossen. Bisher gab es diese erst in Städten wie Hamburg, Berlin oder München. Nach Magdeburg wird auch Halle folgen.

Das Ergebnis überrascht am Ende des Tages. Es wurden zwar ein per Haftbefehl gesuchter Mann gefasst, zwei Rauschgiftdelikte, ein Diebstahl, mehrere Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht festgestellt und über zehn Schwarzfahrer überführt. Eine Waffe wurde aber nicht gefunden. Kurpiers: „Für die Bundespolizei ein Erfolg. Der Bahnhof blieb heute sauber.“