Dannigkow l Großes Glück im Unglück hatte eine junge Frau, die am Mittwochmorgen gegen 7.30 Uhr den Bahnübergang zwischen Dannigkow und Pretzien überqueren wollte.

Sie war vom Dornburger Weg, der eine Strecke parallel zur Bahnlinie Magdeburg–Dessau verläuft, rechts auf den Bahnübergang abgebogen. Nach Volksstimme-Informationen hatte weder das Rotlicht geblinkt, noch waren die Schranken geschlossen.

Als sich das Fahrzeug auf den Gleisen befand, hörte die 19-Jährige nur noch das laute Hupen eines Zuges, der von links aus Richtung Gommern auf den Bahnübergang zurollte. Die Lok des Regionalexpress 16103 rammte das Auto hinten links. Der Zug war mit „zugelassenen 120 Stundenkilometern“ unterwegs, wie Chris Krupiers von der zuständigen Bundespolizei in Magdeburg mitteilte.

Verletzungen an den Beinen

Wie die Volksstimme erfuhr, leistete ein Jogger vor Ort erste Hilfe. Die junge Frau wurde mit Verletzungen an den Beinen in das Schönebecker Krankenhaus eingeliefert. Es besteht allerdings keine Lebensgefahr.

Die 50 Fahrgäste des Zuges kamen mit dem Schrecken davon. Die Bahnstrecke blieb zwei Stunden gesperrt. Die Ermittlungsabteilung der Magdeburger Bundespolizeiinspektion hat die Untersuchungen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr aufgenommen.

Technikausfall und menschliches Versagen?

Menschliches Versagen des Lokführers scheidet nach den ersten Ermittlungen aus. Auch, dass die Autofahrerin die Halbschranken umfahren hat, sei auszuschließen, heißt es aus Polizeikreisen. Wie Bahnsprecher Jörg Bönisch sagte, sei man nicht davor gefeit, dass Bauteile ausfallen können und deshalb wie im vorliegenden Fall sich Schranken nicht schließen würden. Allerdings verwies er darauf, dass es in solch einem Fall automatische Meldungen gebe, die den Lokführer darüber informierten, dass eine Schranke nicht geschlossen sei. 

Keine automatische Warnung

Der Lokführer müsse dann vor der Schranke stehenbleiben und sich versichern, dass kein Fahrzeug kreuzt. Erst, wenn er sich ganz sicher sei, dürfe er die Fahrt fortsetzen. Nach Volksstimme-Informationen hat der Lokführer solch eine automatische Warnung nicht erhalten. Warum sowohl die sogenannte Notfallstelle der Bahn in Leipzig, wo solche Havarien ebenfalls auflaufen, und ebenfalls die Fahrdienstleitung nicht reagiert und den Lokführer informiert haben, müsse nun ermittelt werden.

Im April 2017 hatte eine defekte Schrankenanlage in Magdeburg-Sudenburg für Verunsicherung gesorgt. In der Beimsstraße waren Züge achteinhalb Stunden lang bei geöffneter Schranke über den Bahnübergang gefahren. Auch das Rotsignal am Andreaskreuz hatte nicht geleuchtet.

Autos mussten warten

Am Bahnübergang auf der Bundesstraße 1 zwischen Biederitz und Gerwisch (Jerichower Land) hatten sich vor wenigen Wochen die Halbschranken Richtung Gerwisch nicht wieder gehoben. Nach einem Punktspiel des 1. FC Magdeburg hatte sich daraufhin eine lange Schlange von Autos mit Fußballfans gebildet.

Erst nach mehreren Stunden war ein Reparaturteam angerückt. Inzwischen hatten Kraftfahrer zur Selbsthilfe gegriffen und sich gegenseitig geholfen, den Bahnübergang zu überqueren.

Kommentar "Technik ist nicht allles" zum Thema.