Umfrage zur Euro-Krise / Wähler fühlen sich hinters Licht geführt und fürchten sozialen Abstieg

Bürger erwarten neue Euro-Schrecken

Stuttgart/Berlin (dpa) l Die große Mehrheit der Deutschen stellt sich auf eine lange Euro-Schuldenkrise ein. Nur jeder Zehnte glaubt zudem, dass die Politiker die Bevölkerung ehrlich informieren. Das geht aus einer repräsentativen Befragung der Universität Hohenheim und der Bank Ing-Diba hervor.

Danach meinen 91 Prozent der Befragten, dass sie die Euro-Schuldenkrise noch lange angehen wird. Dabei beschäftigt die Angst vor negativen wirtschaftlichen Folgen wie Altersarmut durch niedrigere Zinsen und Renten die Menschen derzeit offensichtlich viel stärker als es im Wahlkampf der Parteien den Anschein hat. Knapp jeder zweite Deutsche (49 Prozent) befürchtet negative Auswirkungen auf den Wohlstand, fast jeder Vierte (23 Prozent) sieht seinen persönlichen Lebensstandard und den seiner Familie bedroht.

Dass die Krise - wie einige Politiker glauben machen wollen - ihren Höhepunkt bereits überschritten hat, denken nur 17 Prozent der mehr als 1000 befragten Bürger.

Ganz schlechte Noten bekommen die Politiker für ihre Krisenkommunikation. Die Autorin der Studie, die Kommunikationswissenschaftlerin Claudia Mast von der Uni Hohenheim, sagte: "Wenn die Politiker weiterhin die Eurokrise und die Auswirkungen für Deutschland aus dem Wahlkampf heraushalten, laufen sie Gefahr, dass sich immer weniger Bürger mit ihren Ängsten und Sorgen von den Abgeordneten und Parteien vertreten fühlen."

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück beschuldigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU), mit ihrer Sparpolitik die Euro-Krisenländer in einen Teufelskreis gestürzt zu haben. Steinbrück rechnet damit, dass nach der Bundestagswahl ein weiteres Hilfspaket für Griechenland fällig wird. "Frau Merkel will alles vermeiden, was die Wähler irritieren oder verunsichern könnte. Alles Unangenehme und Schwierige schiebt sie über den Wahltag hinaus", sagte Steinbrück der "Passauer Neuen Presse". Der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Barthle (CDU), konterte: "Dass bei Peer Steinbrück das Geld der Steuerzahler locker sitzt, sieht man auch daran, dass er schon jetzt weitere Finanzhilfen für Griechenland herbeiredet."

Einen weiteren Schuldenschnitt für Athen, bei dem vor allem staatliche Gläubiger wie Deutschland Milliarden abschreiben müssten, lehnte Steinbrück jedoch wie die Regierung ab.