Leipzig/Bad Dürrenberg (dpa) l Die Ursache für den schweren Unfall mit einem Flixbus auf der Autobahn 9 ist weiterhin unklar. Dabei war am Sonntag eine Frau ums Leben gekommen, neun Fahrgäste wurden schwer verletzt. Die Autobahnpolizei hatte am Sonntagabend erklärt, die Polizei gehe nach ersten Ermittlungen davon aus, dass ein sogenannter Sekundenschlaf des Fahrers zu dem Unfall des Fernbusses geführt habe. Eine Polizeisprecherin in Halle konnte die Aussage am Montagmorgen nicht bestätigen: Für einen solchen Verdacht sei es noch zu früh.

Der Bus war im Auftrag von Flixbus von Berlin nach München unterwegs gewesen, wie das Unternehmen bestätigte. Das Fahrzeug sei im April inspiziert worden, Beanstandungen habe es keine gegeben, sagte ein Flixbussprecher. "Für uns hat die Sicherheit der Fahrgäste und Fahrer oberste Priorität." Ob der Unfallbus einen Aufmerksamkeitsassistenten hat, konnte der Unternehmenssprecher nicht sagen. Solche Systeme sollen Sekundenschlaf erkennen und den Fahrer frühzeitig warnen.

Die Einhaltung der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten wird nach Angaben des Sprechers regelmäßig kontrolliert, auch mithilfe von Satellitendaten. Nach spätestens viereinhalb Stunden ist ein Busfahrer gesetzlich verpflichtet, 45 Minuten Pause zu machen. Die Ruhezeit kann auch aufgeteilt werden. Zweimal wöchentlich darf ein Busfahrer zehn Stunden hinter dem Steuer sitzen, an den anderen Tagen höchstens neun Stunden. Bei Nachtfahrten sind laut Flixbus grundsätzlich zwei Fahrer an Bord.

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Der Bus war am frühen Abend auf der A9 in Richtung München bei Bad Dürrenberg (Saalekreis) an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt von der mittleren Spur nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und an der Böschung umgekippt. Eine Leitplanke bohrte sich durch die Windschutzscheibe.

Eine Frau tödlich verletzt

Eine Frau kam bei dem Unfall ums Leben. Genaue Angaben zur Identität der Toten konnte die Polizeisprecherin am Montagmorgen nicht machen. Neun Menschen wurden schwer, 63 Menschen leicht verletzt. Die Verletzten wurden auf insgesamt 14 Krankenhäuser verteilt – zumeist in Sachsen-Anhalt und Sachsen. An Bord des Busses von Berlin nach München waren 75 Menschen.

Wie viele der Fahrgäste angeschnallt waren, konnte die Polizeisprecherin zunächst nicht sagen. Die Flixbus-Fahrer seien dazu angewiesen, vor Beginn einer Fahrt in mehreren Sprachen auf die gesetzliche Anschnallpflicht hinzuweisen, sagte ein Sprecher von Flixbus der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings könnten die Fahrer nicht sicherstellen, dass alle Passagiere der Pflicht nachkommen.

Autobahn zwölf Stunden gesperrt

Die A9 wurde am Montag nach einer rund knapp zwölf Stunden dauernden Sperrung wieder für den Verkehr freigegeben. Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff sowie Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) dankten am Montag den zahlreichen Einsatzkräften. Sie sprachen den Hinterbliebenen der Toten ihre Anteilnahme aus. Den Verletzten wünschten sie eine schnelle Genesung.

Flixbus richtete am Sonntagabend eine Hotline für Angehörige ein. "Der Bus war im Auftrag von Flixbus planmäßig zwischen Berlin und München unterwegs", bestätigte das Reiseunternehmen der Deutschen Presse-Agentur. "Unser Mitgefühl gilt den betroffenen Fahrgästen und Busfahrern sowie deren Familien und Freunden."