Magdeburg l Mit dem Wattestäbchen den Abstrich nehmen, die Probe mit einer Chemikalie verrühren, drei Tropfen auf den Teststreifen: Tauchen zwei rote Linien auf, hat der Überprüfte höchstwahrscheinlich Coronaviren und ist stark ansteckend. Das Ergebnis liegt schon nach 15 bis 30 Minuten vor. Das ist deutlich schneller als beim klassischen PCR-Labortest, bei dem es meist einen Tag dauert.

Klarheit über Quarantäne

100.000 dieser Schnelltests hat Sachsen-Anhalt gekauft. Weitere 400.000 sollen folgen. Kosten: 11 Millionen Euro. „Die Auslieferung an die Gesundheitsämter hat jetzt begonnen“, sagte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) der Volksstimme. Die Landkreise sowie die drei Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau sind gehalten, diese bei größeren Ausbrüchen einzusetzen. „So bekommen wir viel schneller Klarheit“, sagt Grimm-Benne.

Die Schnelltests können in brenzligen Situationen überall eingesetzt werden, so in Stadtteilen, Kitas oder Schulen. So kann schnell geklärt werden, ob etwa eine Klasse oder die ganze Schule in Quarantäne geschickt werden muss.

Schnelligkeit vor Genauigkeit

Die Antigen-Schnelltests sind zwar nicht ganz so präzise wie die PCR-Tests, allerdings reagieren sie sehr gut, wenn die Betroffenen hoch ansteckend sind. Schlägt ein Schnelltest positiv an, erfolgt zur Sicherheit noch ein genauerer PCR-Test. Trotz einfacher Handhabung müssen auch Schnelltests von geschultem Personal vorgenommen werden. Mit Blick auf das Frühjahr müsse man aber darüber reden, ob auch für größere Veranstaltungen Schnelltests organisiert werden können, sagte Grimm-Benne.

Klinik gibt gute Noten

Außer den Gesundheitsämtern können auch Heime oder Kliniken Schnelltests ordern. Legen sie ein Konzept vor, übernehmen die Kassen die Ausgaben von 22 Euro je Stück (zum Vergleich: ein PCR-Labortest kostet 39 bis 50 Euro). Stationäre Einrichtungen haben ein Monatskontingent von 20 Tests pro Kopf, bei ambulanten sind es 10. Getestet werden sollen auch Besucher. „So können wir künftig Besuchsverbote vermeiden“, sagte die Ministerin. Melchior Boshamer, Leiter des Seniorenpflegeheims „Klein Sanssouci“ in Kalbe, rechnet mit ersten Schnelltests zum Monatsende. Er will mehrere tausend Tests für seine 140 Bewohner bestellen. Derzeit seien 16 Menschen infiziert.

Erste gute Erfahrungen haben Krankenhäuser gesammelt. Bislang sei jedes positive Schnelltest-Ergebnis anschließend durch ein positives Laborergebnis bestätigt worden, sagt die Sprecherin des Städtischen Klinikums Magdeburg.

Grimm-Benne hofft, dass durch die Schnelltests die Labore für die PCR-Tests entlastet werden. Bundesweit stauen sich fast 99 000 Proben. In Sachsen-Anhalt werde die Lage gerade überprüft, sagte die Ministerin. Falls nötig, stünde auch das tiermedizinische Labor in Stendal bereit.