Magdeburg (dpa) l Sachsen-Anhalt gehört weiterhin zu den Bundesländern, das am stärksten vom Coronavirus betroffen ist – dennoch will die Landesregierung darüber beraten, wie das öffentliche Leben stufenweise wieder hochgefahren werden kann.

Die schwarz-rot-grüne Regierung will am Dienstag einen Plan vorlegen, der eine "sichere und gerechte Öffnungsperspektive" für verschiedene Bereiche skizziert, wie Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vorab sagte. Im Anschluss solle das Konzept kurz, aber intensiv mit Verbänden und Interessenvertretern beraten und Anfang März verabschiedet werden. Details will Haseloff am Dienstagnachmittag ab 14 Uhr öffentlich vorstellen.

Bereits am Montagabend teilte das Gesundheitsministerium mit, dass es in den Impfzentren der Kreise kurzfristig auch Termine für Kita-Erzieherinnen und Lehrkräfte aus Grund- und Förderschulen geben soll. Zuvor hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, diese Berufsgruppen vorzuziehen. Sie sollen den Impfstoff von Astrazeneca bekommen, der für viele Menschen mit besonders hohem Risiko für einen schweren Covid-Verlauf und höchster Impfpriorität derzeit nicht verwendet wird. Der Wirkstoff wird mangels Studiendaten für ältere Probanden nur für Menschen unter 65 Jahre empfohlen.

107.000 Impfdosen von Astrazeneca

Von Astrazeneca erwartet das Gesundheitsministerium jüngsten Angaben zufolge bis Ende März 107.000 Impfdosen. Laut Bildungsministerium gibt es schätzungsweise 15.000 bis 16.000 Lehrer im Land, etwa jeder dritte arbeitet an Grundschulen. Hinzu kommen 17.500 Erzieherinnen und Erzieher. Somit könnten rechnerisch alle Pädagogen in beiden Bereichen geimpft werden.

Bund und Länder einigten sich bisher nur auf die Pädagogen für Grund und Förderschulen. Das Land will ein Viertel der Astrazeneca-Dosen zu diesem Zweck reservieren. Die neue Impfreihenfolge hat einen praktischen Grund: Nach monatelangem Notbetrieb sollen Kitas und Schulen ab 1. März 2021 wieder mit Einschränkungen öffnen.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) wollen jetzt ihre konkreten Konzepte präsentieren. An den Schulen haben bisher nur Abschlussklassen Präsenzunterricht. Für alle anderen gibt es Aufgaben für zuhause. An Kitas werden nur Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen betreut.

Höhere Inzidenz nur in Thüringen

In Sachsen-Anhalt wie bundesweit gelten seit dem Herbst wieder strenge Kontaktregeln. Zahlreiche Wirtschafts- und Freizeitbereiche sind auf Verordnung geschlossen. So sollte das Infektionsgeschehen deutlich eingedämmt werden. Tatsächlich hat sich die Lage im Vergleich zum Jahreswechsel entspannt. Die politische Zielmarke von weniger als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern und Woche wurde in Sachsen-Anhalt jedoch noch nicht erreicht. Seit fast einer Woche fällt dieser Wert nicht mehr, sondern pendelt um 90. Laut Robert Koch-Institut ist weiterhin nur Thüringen stärker betroffen, bundesweit wurde der Wert am Montag mit 61,0 angegeben.

Jetzt will die Landesregierung beratschlagen, welche Voraussetzungen für das schrittweise Hochfahren weiterer Bereiche gegeben sein müssen. Die Inzidenzzahlen sollen nicht der einzige Faktor sein, wie die Staatskanzlei mitteilte. Vielmehr gehe es auch um den Anteil freier Intensivbetten, die Verbreitung von Mutationen, den Impffortschritt sowie die Verfügbarkeit von Schnelltests.

Es gehe darum, wie Handel, Gastronomie, Hotellerie und Kultur eine verlässliche Öffnungsperspektive geboten werden könne, sagte Regierungschef Haseloff. "Das ist schwierig, weil das Infektionsgeschehen weiter hoch ist." Klarheit haben bisher die Friseursalons: Dort können ab 1. März wieder Kundinnen und Kunden bedient werden. Für alle anderen Bereich gilt bis mindestens 10. März 2021 der verhängte Lockdown weiter.