Erfahrungen in anderen Bundesländern:

Die Grundschule „Saalburgschule“ in der hessischen Kleinstadt Bad Vilbel hat auf Initiative des dortigen Wetteraukreises bereits 2016 sogenannte „Kiss & Fly“-Parkplätze in der Nähe der Schule eingerichtet.

Damit Eltern den Parkplatz auch nutzen, wurde die Zufahrtstraße zur 270 Schüler zählenden Einrichtung umgebaut. Die Anfahrt direkt bis zum Gebäude ist jetzt schwieriger. Seit Projektstart müssen Kinder vom neuen Parkplatz etwa 50 Meter zur Schule laufen.

Das Projekt hat sich bewährt, sagt Schulleiterin Evelyn Neumann. Allerdings hätten sich besonders zu Schulahresbeginn nicht alle Eltern an die Vorgaben gehalten.

Planer Jens Leven, der das Projekt in Barleben betreut, hat nach eigenen Angaben ähnliche Maßnahmen bereits in Nordrhein-Westfalen oder Hessen begleitet. Der Elternverkehr sei jedes Mal deutlich gesunken. Auch Leven berichtet aber, dass ein Teil der Eltern seine Kinder weiter direkt zur Schule fährt.

Magdeburg l Anke Strehlow blickt morgens häufig besorgt aus dem Fenster. Seit Jahren spielen sich vor der freien Grundschule Pierre Trudeau in Barleben (Bördekreis) die gleichen Szenen ab. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, wollen sie aus Zeitnot und Fürsorge möglichst nah am Gebäude absetzen. Es wird gedrängelt, wild geparkt, manchmal sind Autos gegen die Fahrtrichtung unterwegs.

300 Schüler pendeln mit Elterntaxis

Neben dem Stress für die Eltern ist das vor allem für die Kinder gefährlich, sagt die Leiterin. Sie müssen zwischen den Autos hindurch zum Schulgebäude laufen. „Bislang ist noch nichts passiert“, so Strehlow. Wenn aber erst ein Kind unter dem Auto liege, heiße es: Warum wurde nichts getan? Die Grundschule Barleben tut jetzt etwas. Und sie steht damit nicht allein.

Auf Initiative der Landesverkehrswacht wollen alle vier Schulen im Dorf gemeinsam mit der Gemeinde, der Polizei und einem Planungsbüro in einem landesweit einmaligen Projekt die letzten Meter des Schulweges neu organisieren. Der Bedarf ist da. „Rund 300 Schüler pendeln täglich mit dem Elterntaxi nach Barleben“, sagt Michael Kleinen, Leiter des benachbarten Internationalen Gymnasiums.

Hol- und Bringezonen geplant

Statt vor der Schule vorzufahren, sollen Eltern ihre Kinder ab nächstem Schuljahr in Hol- und Bringezonen wenige hundert Meter von den Schulen entfernt absetzen, sagt Planer Jens Leven. Die Gemeinde soll von dort sichere Fußwege zur Schule ausweisen. Die Kinder dürfen diese farbig gestalten.

Ziel ist die Senkung des Elternverkehrs um bis zu 50 Prozent. In anderen Bundesländern klappe das gut, sagt Leven. Die Kinder sollen zudem von der Bewegung an der frischen Luft profitieren. Auf dem Schulweg kämen sie so schon vor dem Unterricht in Kontakt zu Altersgenossen.

Projektträger hoffen auf Signalwirkung

Bei allen Maßnahmen setzt der Planer auf Freiwilligkeit. Sperrungen von Zufahrtstraßen, wie es sie in anderen Bundesländern gibt, seien das letzte Mittel, sagt Leven. Kosten soll das vorerst auf ein Jahr angelegte Projekt 15.000 Euro. Das Geld wollen sich Schul­träger, Verkehrswacht und die Gemeinde Barleben teilen.

Thomas Stegelitz von der Landesverkehrswacht hofft, dass das Projekt Signalwirkung für andere Gemeinden hat. Im Frühjahr will die Initiative ein Seminar für weitere Kommunen abhalten. Sollte sich das Projekt bewähren, hält auch die Polizei im Bördekreis eine Ausdehnung für sinnvoll. „Das wäre angebracht“, sagt Sprecher Joachim Albrecht.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt ein Blick in andere Regionen. Im Harzkreis gibt es vor allem zu Schuljahresbeginn Probleme durch Elterntaxis, heißt es von der Kommune. Von chaotischen Verhältnissen berichten auch die katholische Grundschule St. Mechthild und das benachbarte Norbertus-Gymnasium in Magdeburg. „Wir appellieren bislang an die Eltern, freiwillig dezentral zu parken“, sagt Gymnasiums-Leiter Reimund Märkisch. „Das zu kultivieren, ist aber sicher eine gute Idee.“