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FrauenquoteFrauen im Land sind selten Spitze

Frauen sind in Führungspositionen in Sachsen-Anhalt unterrepräsentiert. Die Grünen bringen nun Schwung in die Gleichstellungsdebatte.

12.11.2015, 23:01

Magdeburg l Gerade einmal 20 Prozent der Führungspositionen in den obersten Landesbehörden sind mit Frauen besetzt, seit Jahren nimmt der Anteil kaum zu. Auch prestigeträchtige Aufsichtratsmandate in Unternehmen und Gesellschaften, an denen das Land beteiligt ist, üben in der Regel nur Anzugträger aus. Hier ist der Frauenanteil zwischen 2011 und 2015 sogar von 27 auf 21 Prozent gesunken.

Die Grünen fordern deshalb die Einführung einer Frauenquote. In einem Antrag, der an diesem Freitag im Landtag diskutiert werden soll, schlägt die Partei eine 50-Prozent-Quote für sämtliche Aufsichtsratsmandate des Landes vor. „Ich sehe sonst keine andere Möglichkeit, die Frauen effektiv voranbringt“, sagt Grünen-Politikerin Cornelia Lüddemann.

Insgesamt verfügt das Land über 163 Aufsichtsmandate in mehr als 50 Unternehmen, Gesellschaften und Institutionen. Zu ihnen zählen Banken wie die Nord LB und die Investitionsbank, Firmen wie Dataport und diverse Kulturstiftungen. In den entsprechenden Aufsichtsgremien hat das Land bislang nur 34 Frauen entsandt.

Bei den Koalitionsfraktionen CDU und SPD reißt der Antrag der Grünen alte Wunden auf. Bereits vor etwa einem Jahr wollten die Parteien ein neues Gleichstellungsgesetz auf den Weg bringen, doch sie konnten sich nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen. Der Frust über die mangelnden Fortschritte ist daher groß.

„Das ist schon eine ganz schöne Schieflage“, sagt Nadine Hampel mit Blick auf die Verteilung der Aufsichtsratsmandate. Die Sprecherin für Gleichstellungspolitik in der SPD erklärt, dass der geringe Frauenanteil in Aufsichtsgremien strukturelle Gründe hat. In den Aufsichtsräten sollen in der Regel Minister, Staatssekretäre oder hochrangige Abteilungsleiter sitzen. Doch nur wenige von ihnen sind derzeit weiblich. „Eine Quote würde die Schieflage sicher beseitigen“, sagt Hampel.

Auch die CDU sieht Handlungsbedarf: „Mit dem, was wir erreicht haben, können wir nicht zufrieden sein“, sagt Edwina Koch-Kupfer. Zwar sei eine 50-Prozent-Marke kurzfristig nicht umsetzbar, doch perspektivisch wolle man über eine Quote nachdenken. „Nach der Landtagswahl brauchen wir endlich ein neues Gleichstellungsgesetz, das auch Quotenregelungen beinhaltet.“

Obwohl sich auch die Linke für Frauenquoten ausspricht, wird der Antrag der Grünen wohl abgelehnt werden. Die Koalitionsfraktionen haben einen Alternativantrag angekündigt, der wohl mehrheitlich beschlossen werden wird. Dieser Antrag sieht jedoch noch keine Quotenregelung vor. „Strategien und Maßnahmen“ zur Gleichstellung der Frauen sollen erst „entwickelt“ werden. Fortschritte dürfte es demnach frühestens 2016 geben.