Magdeburg l Carolin Göhler (29) aus Halle hat beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Bundesfreiwilligendienst (BFD) geleistet und ihn in Absprache vorzeitig beendet. Weil sie einen Job gefunden hat. Von den Freiwilligen, die in den Jahren 2011 bis 2016 in Sachsen-Anhalt tätig waren, haben 26 Prozent ihren Dienst vor dem vereinbarten Vertragsende gekündigt. Das geht aus einer kleinen Anfrage der AfD an die Landesregierung hervor. Bundesweit sind es sogar 33 Prozent aller Bufdis (Bundesfreiwilligendienstleistende), die ihren Dienst vorzeitig abbrechen.

Ohnehin ist die Auslastung generell gering. Seit der Zivildienst 2011 weggebrochen ist, hat der BFD diese Lücke nie stopfen können. Ende 2017 waren in Sachsen-Anhalt laut Landesregierung 10.742 Plätze für BFD'ler anerkannt. Gerade einmal 2073 davon waren besetzt. Dass dann vorzeitig abgebrochen wird, liegt vor allem daran, dass Studiums-, Ausbildungs- oder Jobbeginn in die Quere kommen. Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), in dessen Zuständigkeit der BFD liegt, erfasst die Motive jedoch nicht statistisch.

„Viele sind gar nicht unzufrieden, sie haben einfach nur eine Ausbildung oder einen Studienplatz bekommen“, sagt Fabian Liesegang. Er ist einer von 14 Bundessprechern, die sich beim BAFzA für die Belange der Freiwilligen einsetzen.

Im Krankenhaus St. Marienstift Magdeburg können Freiwillige einen BFD absolvieren. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Katrin Schade kommt auch zu dem Schluss: Die meisten brechen vorzeitig ab, weil sie eine Ausbildung oder einen Studienplatz bekommen haben.

Tom Bruchholz vom AWO-Landesjugendwerk, einem der Träger für den BFD, findet das okay. „Wegen Ausbildung oder Studium vorzeitig abzubrechen, ist legitim.“ Doch, sagt er, in Einzelfällen werde sicher auch wegen falscher Versprechungen oder schlechter Arbeitsbedingungen abgebrochen. Samuel Sonderhoff ist zwar kein Bufdi, aber ein FSJ'ler. Er weiß, wie es ist, bei der Freiwilligenarbeit mies behandelt zu werden. Er hat ein FSJ gemacht und dort mitunter 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeiten müssen. „Das war mir zu heftig. Ich hatte keine Zeit mehr für Hobbys und schon gar nicht, um mich nach einem Studium umzusehen.“ Auch die Kommunikation mit dem Chef sei schlecht gewesen. Auch bei den Bufdis komme das vor, sagt Bundessprecher Fabian Liesegang, der sich für die Freiwilligen einsetzt.. „Es hat schon Fälle gegeben, da wurden Bufdis ausgenutzt. Das darf nicht sein und es darf auch niemandem der Job weggenommen werden“, betont er. Konkrete Beschwerden wegen der Konkurrenz mit regulären Arbeitskräften seien dem BAFzA zufolge allerdings nicht bekannt.

Was Liesegang jedoch als Problem ausmacht, ist, dass den Bufdis die Fahrkosten nicht erstattet werden. „Wir hören öfter mal Beschwerden darüber, dass das Taschengeld so gering ist, zugleich aber die Fahrkosten zum Arbeitsweg selbst getragen werden müssen.“ Zivildienstleistende hätten dagegen Fahrkosten erstattet bekommen. Peter Schloßmacher, beim BAFzA verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, sagt, der BFD sei ein unentgeltliches Engagement. Die Einsatzstellen könnten, wenn sie wollen, mit einem Teil des Taschengeldes eine Bahncard abdecken. Auch seien die Anforderungen sehr unterschiedlich, sagt Liesegang. Während im Bereich der Pflege oder auch bei Rettungssanitätern häufig ein Vollzeit-Job gemacht werde, fühlten sich andere an Ganztagsschulen unterfordert.

Doch mitunter liegen die Versäumnisse auch bei den Bufdis. Gerade Jüngere informierten sich zu wenig über den BFD. Wer vorher Bescheid wisse, könne sich auf die Vergütung einstellen, sagt er.

Dennoch: Wenn Bufdis ihren Dienst vorher einstellen, kann das für andere Arbeitgeber gut sein. Carolin Göhler ist das beste Beispiel.

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