Magdeburg l Monatelang hatten Ermittler des Landeskriminalamtes den Schlag gegen das organisierte Verbrechen in Magdeburg vorbereitet. Am Abend des 22. Juni 2016 erfolgte dann die Festnahme des 35-jährigen Libanesen Abd M. sowie drei seiner mutmaßlichen Komplizen.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 35-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels und des Verstoßes gegen das Waffengesetz am Magdeburger Landgericht erhoben. Gegen die anderen Beteiligten soll es gesonderte Verfahren geben.

Wie Landgerichtssprecher Christian Löffler am Dienstag weiter bestätigte, prüfe die 5. Strafkammer in einem Zwischenverfahren aktuell die Zulassung zur Hauptverhandlung. Sollte dies geschehen, könnte der Prozess bereits im Dezember starten. Abd M. befindet sich in Untersuchungshaft. Bei seiner Festnahme im Juni konnte die Polizei 13 Kilogramm Amphe­tamine, 300 Gramm Kokain und Methamphetamine in einer Depot-Wohnung im Norden Magdeburgs sicherstellen, die er kurz zuvor verlassen hatte. Der Zugriff durch ein Spezialeinsatzkommando soll unmittelbar danach erfolgt sein. Insgesamt waren 60 Polizisten im Einsatz.

Neben den Drogen stellten die Beamten damals auch ein vollautomatisches Sturmgewehr AK 47 mit einem vollen Magazin, einen Revolver, Macheten und zahlreiche Messer sicher. Ein ebenfalls aufgefundener Aufsatz für einen Granatwerfer hat sich als nicht echt erwiesen, sondern gehörte zu einer Softair-Waffe. Insgesamt wurden zudem zehn Handys und 50.000 Euro Bargeld sichergestellt. Abd M. ist den Ermittlern in Sachsen-Anhalt bereits seit August 2015 als führendes Mitglied der rockerähnlichen Gruppierung „AKC“ bekannt. Diese bestand nahezu ausschließlich aus syrischen, libanesischen und kurdischen Migranten. Damals galt der Libanese als Beschuldigter im Fall eines lebensgefährlichen Bauchschusses auf ein Mitglied der Hells Angels, die damals ein Lokal am Hasselbachplatz hatten. Die Tat konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Die Waffe wurde nie gefunden und es gab auch keine Zeugenaussagen.

Der 35-Jährige mit Duldungsstatus wurde von Ermittlern familiär dem Miri-Clan zugeordnet. Außerdem soll er auch enge Kontakte zum Abou-Chaker-Clan in Berlin gehabt haben. In Polizeikreisen wurde er bereits als „Pate von Magdeburg“ bezeichnet, weil er in Verdacht stand, die Fäden für den Drogenhandel am Hasselbachplatz in der Hand zu haben.