Halle (dpa) l Eine 46-jährige Mutter, die zwei Babys getötet haben soll, ist voll schuldfähig. Das geht aus einem psychiatrischen Gutachten hervor, das am Mittwoch vor dem Landgericht Halle vorgetragen wurde. Die Frau hatte gestanden, nach verheimlichten Schwangerschaften 2004 ein Mädchen und 2008 einen Jungen heimlich zu Hause geboren und getötet zu haben. Die Babyleichen wurden erst Anfang 2018 in einem Tiefkühlschrank in ihrer Wohnung entdeckt. Die Frau ist wegen Totschlags angeklagt. Am Donnerstag sind nach Angaben des Gerichts die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung geplant. Möglicherweise werde am selben Tag das Urteil gesprochen.

Laut rechtsmedizinischem Gutachten wurden die beiden Babys jeweils unmittelbar nach der Geburt in eine Plastiktüte gepackt und in einen Tiefkühlschrank gelegt, wo sie erstickt sind. "Der Tod ist durch Sauerstoffmangel eingetreten", sagte die Rechtsmedizinerin Carolin Richter. Laut der Expertin kamen die Babys gesund zur Welt. Das Mädchen wog 2100 Gramm, der Junge vier Kilogramm.

Die Frau habe die Taten nicht beschönigt, es gebe auch keine Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit, sagte der psychiatrische Gutachter Steffen Dauer. Die Frau habe sich für die beiden Schwangerschaften geschämt. Ihr Ex-Lebensgefährte habe keine weiteren Kinder haben wollen. Das Paar hatte bereits zwei Kinder. Die 46-Jährige wirkte teilnahmslos im Gericht.

Die Entdeckung der Babyleichen sei für die Frau wie eine Erlösung gewesen, erklärte der psychiatrische Sachverständige. Sie habe angegeben, ihr Ex-Partner habe sie erpresst. Ein erwachsener Sohn beschrieb die Familienverhältnisse als sehr schwierig. Deshalb sei er mit 18 Jahren ausgezogen.

Die Polizei hatte die Babyleichen in der Wohnung der Frau in Benndorf in dem Tiefkühlschrank entdeckt. Der Ex-Lebenspartner hatte die 46-Jährige Anfang 2018 bei der Polizei angezeigt. Gegen ihn ermittelt unterdessen die Staatsanwaltschaft. Der Mann soll bereits im Sommer 2017 zumindest von einem toten Baby im Tiefkühler gewusst haben. Die Frau mit Facharbeiterabschluss war von Helbra nach Benndorf (Landkreis Mansfeld-Südharz) umgezogen – laut den Ermittlern wohl mit den toten Babys.