Dessau-Rosslau (dpa) l Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Neugeborenen hat das Landgericht Dessau die Mutter des Säuglings zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Frau aus Köthen hatte zu Beginn des unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozesses ein Geständnis abgelegt.

Demnach brachte die heute 30-Jährige das Kind im August 2015 in der Toilette ihres Freundes zur Welt. Sie versuchte das Kind hinunterzuspülen, was aber nicht gelang. Sie war davon ausgegangen, das Baby sei tot. Wie die Obduktion ergab, lebte das Kind wenige Minuten und erstickte oder ertrank dann. Etwa eine Stunde nach der Geburt rief der heute 70-jährige Freund den Notarzt. Der Mediziner konnte jedoch nichts mehr für das Baby tun.

Bei seinem am Mittwoch verkündeten Urteil berücksichtigte die Strafkammer, dass die Frau intellektuell minderbegabt sei und einen besonders niedrigen Intelligenzquotienten habe. Zudem war sie vorher noch nie straffällig geworden. Die Verteidigung hatte Freispruch, die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft gefordert. Die Anklagebehörde ließ zunächst offen, ob sie das Urteil anfechten wird.