Magdeburg l Die Corona-Pandemie hat bundesweit zu einem sprunghaften Anstieg der Krankmeldungen geführt. Das geht aus aktuellen und repräsentativen Zahlen der Barmer- Ersatzkasse in Sachsen-Anhalt hervor. Sie liegen der Volksstimme vor.

Zuwachs um mehr als 120 Prozent

Bundesweit waren demnach in der 13. Kalenderwoche 2019, vom 24. bis 30. März, 67  000 Barmer-Versicherte krankgeschrieben. In derselben Woche dieses Jahres waren es 150 000 – ein Zuwachs um mehr als 120 Prozent. „Wie sehr sich die Krankschreibungen während der Pandemie auf die Gesamtzahlen in diesem Jahr auswirken werden, kann man noch nicht genau abschätzen“, sagte Barmer-Geschäftsführer Axel Wiedemann gestern. „Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass die ohnehin schon hohen Fehlzeiten dieses Jahr noch einmal höher ausfallen werden."

Zahlen der AOK von Versicherten in Sachsen-Anhalt weisen in dieselbe Richtung: Gab es im März 2019 noch 39 100 Krankschreibungen, waren es im Vergleichsmonat dieses Jahres mehr als 47 600 – ein Plus von knapp 22 Prozent. Noch stärker ist der Zuwachs bei Krankmeldungen nur wegen Erkältungen: Hier standen laut AOK gut 8700 Meldungen im März 2019 mehr als 20 300 in diesem Jahr gegenüber (+133 Prozent). Die Barmer vermutet die Gründe für den Trend unter ihren Versicherten weniger bei der Corona-Infektion selbst als bei deren Auswirkungen. Nur jeder 25. der krankgemeldeten Barmer-Versicherten im März sei am Corona-Virus erkrankt, insgesamt 5500 von 150 000.

„Sinnvollerweise bleiben Menschen mit Atemwegserkrankungen jetzt aber eher zu Hause", sagte Barmer-Geschäftsführer Wiedemann. „Begünstigt wird dieser Effekt auch durch die vereinfachte telefonische Krankschreibung." Die Sonderregelung der Krankscheibung per Telefon war eingeführt worden, um Corona-Infektionen im Wartezimmer zu vermeiden. Sie läuft vorerst bis 4. Mai, dürfte aber bis Ende des zweiten Quartals verlängert werden, schreibt das „Ärzteblatt".

Mit 22,1 Ausfalltagen pro Person waren Barmer-versicherte in Sachsen-Anhalt bereits 2019 im bundesweiten Vergleich besonders häufig krankgeschrieben. Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern ist das der höchste Wert aller Bundesländer. Spitzenreiter im Land waren 2019 Bördekreis und Burgenlandkreis mit jeweils 23,5 Fehltagen pro Arbeitnehmer, gefolgt vom Salzlandkreis (23,4). Die wenigsten Krankheitstage meldeten 2019 Altmarkkreis Salzwedel (19,4), Halle (20,2) und Magdeburg (20,4). Vor allem psychische Erkrankungen und Rückenleiden sorgten für längere Abwesenheiten. Bei Muskel-Skelett-Problemen waren es im Schnitt 5 Tage, bei psychischen Störungen 3,6.

Mit Atemwegserkrankungen waren Arbeitnehmer durchschnittlich nur 3,1 Tage krankgeschrieben. Die Barmer hat rund 275 000 Versicherte landesweit.