Magdeburg (dpa) l Aus Sicht der Gewerkschaften und der Kirchen muss der arbeitsfreie Sonntag stärker geschützt werden. Im Zuge der Digitalisierung gebe es immer mehr Branchen, die rund um die Uhr arbeiteten, sagte die Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Susanne Wiedemeyer, am Dienstag in Magdeburg.

"Wenn wir die Entwicklung nicht stoppen, sind wir auf einem guten Weg, dass wir den freien Sonntag verlieren." Besonders auffällig sei der Zuwachs der Sonntagsarbeit im Einzelhandel und der Nahrungsmittelindustrie. Auch bei Call-Centern sind die Regelungen aus Sicht der Akteure zu lax.

Das Bündnis "Allianz für den freien Sonntag" will für mehr arbeitsfreie Wochenenden, Sonn- und Feiertage kämpfen. Dafür holte es sich die Unterstützung von 30 Landtagsabgeordneten und Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne. Der Wechsel zwischen Ruhe und Erholung gehe immer mehr Menschen verloren, sagte die SPD-Politikerin. "Ein arbeitsfreier Sonntag als letztes Refugium inmitten von Deutschlands emsiger Betriebsamkeit muss dringend erhalten bleiben."

Sonntagsschutz geht jeden an

Auch jeder Einzelne könne etwas zum Sonntagsschutz beitragen, betonte DGB-Chefin Wiedemeyer. "Wir müssen uns auch selbst fragen: Muss ich sonntags wirklich einkaufen gehen, wenn ich auch jeden Samstag bis 20 Uhr shoppen kann?"

Die Sachsen-Anhalter schieben nach Angaben des DGB derzeit schon überdurchschnittlich oft Wochenendschichten. Der Anteil liege bei 36 Prozent und damit höher als im ostdeutschen Schnitt von 32 und dem westdeutschen Schnitt von 30 Prozent. Eine Umfrage habe ergeben, dass regelmäßige Wochenendarbeiter deutlich häufiger über Schlafstörungen oder körperliche Erschöpfung klagten.

Entlastung erhoffen sich auch Gewerkschaftsvertreter für Berufe, in denen Wochenendarbeit unumgänglich ist. "Die Kollegen sind mitunter 13 bis 20 Wochenenden am Stück unterwegs", sagte Ingo Neubert von der Gewerkschaft der Polizei. Dieses Problem nehme zu, viele Polizisten klagten über eine Entfremdung von ihren Familien. "Für die Polizei wären regelmäßig planbare freie Wochenenden wünschenswert."