Magdeburg l Hamburg und Baden-Württemberg haben sie bereits untersagt. Sachsen-Anhalt soll nun folgen. Die AfD-Landtagsfraktion will die umstrittene Methode „Lesen durch Schreiben“ zum Schrifterwerb in den Grundschulen des Landes abschaffen. Die Fraktion hat dazu einen Antrag in den Landtag eingebracht. Mit ihm soll sich am Freitag das Plenum befassen.

Schreiben, wie man hört

Bei der vom Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen entwickelten Methode dürfen Kinder zunächst so schreiben, wie sie Wörter hören. Wert auf Rechtschreibung wird in der reinen Lehre erst in späteren Jahren gelegt. „Die orthografischen Kenntnisse deutscher Grundschüler haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verschlechtert“, sagt Robert Farle, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD. Wesentlichen Anteil daran hätten reformpädagogische Ansätze wie „Lesen durch Schreiben“. Als Argumentationshilfe führt Farle Warnungen von Neurowissenschaftlern und Grundschulforschern vor den Gefahren der Methode an.

Insgesamt verwenden nur wenige Schulen im Land „Lesen durch Schreiben“. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) lehnt ein Verbot strikt ab: "Die Entscheidung darüber liegt aus gutem Grund bei den Fachkonferenzen der Schulen."

Grundschule hat Methode abgeschafft

Erfahrungen mit der Methode hat die Grundschule „Zeitz Ost“ im Süden des Landes gemacht. Unterrichtet wurde allerdings nicht nach der reinen Lehre. „Schon am Ende der zweiten Klasse wurde verschärft Wert auf Rechtschreibung gelegt“, sagt Leiterin Iris Seidemann. Probleme gab es anfangs kaum: „Die Kinder hatten Freude und konnten innerhalb von Wochen lesen.“ Inzwischen hat die Schule die Methode dennoch wieder aus den Plänen gestrichen. Grund war nicht die Methode selbst, betont die Leiterin. Vielmehr besuchten inzwischen viele Kinder mit Deutschförderbedarf die Schule. Für sie eigne sich „Lesen durch Schreiben“ tatsächlich nicht.