Magdeburg l Nach Ungereimtheiten bei der Finanzierung von Weiterbildungsstudiengängen an der Hochschule Magdeburg-Stendal gerät die nächste Hochschule im Land unter Verdacht: Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt haben nach Anzeigen Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Hochschule Anhalt aufgenommen, bestätigte gestern Sprecher Frank Baumgarten. Es geht um den Vorwurf der Untreue. Details nannte Baumgarten nicht.

Die Ermittlungen richten sich einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung zufolge gegen vier aktuelle oder ehemalige Professoren im Fachbereich Wirtschaft. Konkret geht es um den Verbleib von Entgelten, die von chinesischen Austauschstudenten erhoben wurden. Gelder sollen dabei nicht nur an die Hochschule geflossen sein. Im Raum steht der Verdacht persönlicher Begünstigung.

Die infrage kommenden Summen dürften beträchtlich sein. Austauschstudenten aus China sollen für die Vermittlung eines Studienplatzes mitunter vier- bis fünfstellige Beträge auf deutsche Konten gezahlt haben. Mit 1100 Studenten stellten sie zuletzt gleichzeitig einen bedeutenden Anteil der mit 8000 Studenten größten Fachhochschule im Land. Man arbeite „vollumfänglich“ mit der Staatsanwaltschaft zusammen, so Hochschul-Präsident Jörg Bagdahn gestern. Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht. Allerdings sei die Erhebung von Entgelten von ausländischen Studenten rechtens. Diese würden gemäß Verträgen mit ausländischen Hochschulen und Agenturen als Partner der Hochschule Anhalt eingenommen und betrügen 1000 bis 1500 Euro je Semester.

Gelder flössen dabei auch an die Hochschule selbst. Sie würden direkt für Leistungen wie Integrationsangebote oder Deutschkurse verwendet. Grünen-Finanzexperte Olaf Meister forderte Aufklärung. Er hat eine Anfrage an das Wissenschaftsministerium gerichtet. Linken-Haushaltsexpertin Kristin Heiß sieht nach den erneuten Vorwürfen gegen das Finanzgebaren einer Hochschule Anlass für einen Blick auf die Finanzausstattung der Hochschulen insgesamt. Deren Aufgaben seien zuletzt stetig gestiegen. Es liege der Verdacht nahe, dass die Finanzausstattung dem nicht mehr Rechnung trage. Das Wissenschaftsministerium wies solche Überlegungen zurück: Die Kenia-Koalition habe die Grundfinanzierung der Hochschulen zuletzt um 15 Millionen Euro erhöht. Das sei bundesweit keine Selbstverständlichkeit.