Magdeburg l Wenn Romantik auf Romanik trifft, dann ist Gänsehaut vorprogrammiert, da sind sich Johanna und Marc Billhardt sicher. Sie sprechen aus Erfahrung. Wie jedes Mal, wenn sie von ihrer „Traum-Hochzeit“ erzählt, bekommt die 28-Jährige glänzende Augen. Dabei ist es schon dreieinhalb Jahre her, dass die Nordhessin dem Havelberger das Ja-Wort gab – am 7. August 2014 im Standesamt der Hansestadt und zwei Tage später im Havelberger Dom.

„Meine Familie und ich sind sehr gläubig. Meine Oma war sogar Küsterin. Für mich persönlich war es wichtig, vor Gott den Bund der Ehe zu schließen, erst damit war ich richtig verheiratet“, blickt die angehende Hundetrainerin zurück, die ihrem Mann aus Filzen in Richtung Ostdeutschland gefolgt ist, „weil ich angetan war von den Menschen und der ländlichen Gegend um Havelberg“.

Eheschließung im Dom

Für die Eheschließung war der Dom zu Havelberg, 946/948 von König Otto I. erbaut, allererste Wahl. „Wenn kirchliche Trauung, dann sollte es schon das ganz große Kino sein: unser wunderschöner Dom St. Marien mit der barocken Scholtze-Orgel und dem mit Blumen traumhaft schön geschmückten Altar“, bekräftigt Johanna Billhardt.

Als Glück bezeichnet sie, dass sie überhaupt Gottes Segen als Ehepaar bekamen, obwohl ihr Mann nicht getauft ist. „In meiner alten Heimat Hessen müssen beide zwangsläufig in der Kirche sein“, ist die Wahl-Havelbergerin noch im Nachhinein dankbar für die Toleranz der evangelischen Kirche in Sachsen-Anhalt.

Sonnenschein in Klosterhof

Und so konnten bei der Hochzeit in Weiß Romanik und Romantik perfekt ineinander verschmelzen. Auch Dank eines Küsters (Andreas Engel), der seinem Namen alle Ehre machte und sich rührend um alles gekümmert hatte, und anschließend Kaffee und Kuchen bei Sonnenschein in Klosterhof. Das alles war im Prinzip kostenlos – honoriert durch eine üppige Kollekte im Anschluss an die Trauung im Dom. „Ich würde immer wieder so heiraten, es war perfekt“, schwärmt Johanna Billhardt noch heute.

Kaiserwetter, das ist wohl das Einzige, was Dagmar Hoppe und ihre Kollegen von Tagungs- und Veranstaltungszentrum „Palais Salfeldt“ in Quedlinburg nicht auf Wunsch liefern können. „Heiraten ist eine Herzensangelegenheit für uns. Wir möchten, dass das Paar sich fallen lassen und diesen besonderen Tag der Hochzeit ohne Belastung genießen kann“, sagt die Geschäftsführerin.

Individualität ist oberstes Gebot

Bei der Umsetzung ist Individualität oberstes Gebot. Und aus Sicht von Hoppe & Co., die 15 bis 20 Hochzeiten im Jahr organisieren, bietet Quedlinburg als Besuchermagnet an der Straße der Romanik mit vier zentralen Bauwerken den idealen Stoff, aus dem eine romantische Traum-Hochzeit ist.

Sie schwärmt vor allem vom Palais Salfeldt. Das gesamte Gebäude (laut Inschrift aus dem Jahre 1737 stammend) weist noch viel Originalsubstanz auf. So sind Einbauten der Barockzeit - Stuckdecken, Türen, Kamine - und das originale Treppenhaus eindrucksvolles Zeugnis des Reichtums und Kunstsinns seines Bauherren, des Kämmerers und Ratsherrn Röttger Salfeldt.

Das barocke Musikzimmer

Herzstück für Trauungen im Palais (Miete je nach Location ab 100 Euro) ist das barocke Musikzimmer. In den Augen der Hochzeitsplaner gibt es für eine standesamtliche Trauung keinen schöneren Ort. „Die reichverzierten, schneeweißen Stuckdecken und -Wände sind einzigartig und traumhaft schön. Wer es romantisch liebt, ist hier genau richtig“, findet Dagmar Hoppe. Auch freie Trauungen, die immer mehr im Kommen sind, finden hier statt.

Quedlindburg mit seiner denkmalgeschützten Altstadt hat aber auch kirchliche Eheschließung in wunderschönen Kirchen zu bieten, von denen die St. Wiperti (katholische Trauung) sowie die Stiftskirchen St. Servatius und St. Cyriakus (evangelische Trauung) ebenfalls zu den Sehenswürdigkeiten an der Straße der Romanik gehören.

Geförderte Projekte

Dass die UNESCO-Weltkulturerbestadt zum Mekka für Heiratswillige in Sachsen-Anhalt avanciert und das Geschäft rund um die Hochzeit boomt, ist auch und gerade der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) zu verdanken, betont Dagmar Hoppe mit Verweis auf allein 100 in Quedlinburg geförderte Projekte. So erwarb die in Bonn ansässige private Stiftung 1997 u.a. das Palais Salfeldt von der Stadt, nachdem das Gebäude bereits einige Jahre leer stand. Die Gesamtsanierung erfolgte mit viel Liebe zum Detail und Millionen von Euros.

Märchenhafte Hochzeit Märchenhafte Hoch

Ja - das ist das Wort, das auch Herbert Stelter am häufigsten bei seiner Arbeit hört. Der 62-Jährige ist als Standesbeamter von Ballenstedt eine Institution. Bereits seit über 20 Jahren schließen vor seinen Augen verliebte Paare den Bund der Ehe. Und das machen sie an einem besonders schönen Ort der Straße der Romanik: Im Schloss Ballenstedt.

Von 80 Trauungen im Jahr finden 90 Prozent im Schloss statt, berichtet Stelter von seinem Traumjob an einem Traumort. Die barocke Dreiflügelanlage aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die bauliche Reste der ehemaligen Klosterkirche St. Pancratius und Abundus mit einbezieht, ist eine der bedeutendsten Anlagen des Herzogtums Anhalt.

Traumhaftes Ambiente

Dass selbst ehemalige Ballenstedter zurückkommen, um in ihrer Geburtsstadt den Bund der Ehe zu schließen, wundert den Standesbeamten angesichts des traumhaften Ambientes nicht: „Schließlich bietet das Schloss als Geburtsstätte des Hauses der Askanier alles, was eine märchenhafte Hochzeit ausmacht.“ Zudem ist die Nutzungsgebühr von 180 Euro vergleichsweise erschwinglich.

Auf dem Schlossberg beginnt für die meisten Brautpaare der Hochzeitstag, berichtet Stelter. Trauungen, bei denen sich Bräute wie Prinzessinnen fühlen, sind in der liebevoll restaurierten Schlosskirche mit Platz für bis zu 250 Gäste, im „Weißen Saal“ des Schlosses oder im extra hergerichteten Trauzimmer möglich. Selbst im Schlosspark Ballenstedt werden wieder Ehen geschlossen – „hier sind es auch immer mehr freie Trauungen“, berichtet der Standesbeamte, der noch einen Tipp hat: Wer mag (und das nötige Kleingeld hat), kann nach einem Sektempfang auf den Schlossterrassen ein rauschendes Hochzeitsfest im benachbarten Schlosshotel Van der Valk feiern.

So individuell und besonders die Möglichkeiten einer Hochzeit an der Straße der Romanik auch sind - eines gilt für alle Orte gleichermaßen: Rechtzeitig planen! Für das Schloss Ballenstedt beispielsweise können ein Jahr im Voraus die Hochzeitstermine reserviert werden.