Magdeburg l Besucher des Magdeburger Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen erwartet nicht nur zeitgenössische Kunst. Das Museum hat seinen Sitz im ältesten Bauwerk der Landeshauptstadt. Es ist romanischen Ursprungs, was bestens zu sehen ist im Kreuzgang, der Krypta und der ehemaligen Stiftskirche. Da gibt es die Wucht der Mauern, die typischen Rundbögen und die kleinen Fenster. Erst später, in der Gotik, wurden die Räume offener und heller und die Fenster ragten zum Himmel. Und es gab Spitzbögen.

Das Kloster also ist bestes Beispiel für Romanik. Kein Wunder also, dass hinter den schweren Außenmauern die Straße der Romanik im Mai 1993 feierlich eröffnet wurde.

Wie eine große Acht

Wie eine große Acht zieht sich seitdem die Tourismusroute durch den Norden und durch den Süden des Landes Sachsen-Anhalt. Magdeburg mit dem Dom und dem Kloster Unser Lieben Frauen sowie den Kirchen St. Petri und St. Sebastian ist der Ausgangspunkt für die Nord- und die Südroute. Zusammen sind beide Routen 1000 Kilometer lang und wurden, um ihre Attraktivität zu steigern, immer wieder mal aufgestockt. Erst im vergangenen Jahr hatte die Landesregierung der Erweiterung der Straße der Romanik um zehn Bauwerke zugestimmt. Die Kirche St. Johannis in Wernigerode, das Marienkloster Münzenberg in Quedlinburg (beides Landkreis Harz) und die Klosterkirche im Freyburger Ortsteil Zscheiplitz (Burgenlandkreis) kamen unter anderem neu hinzu.

88 Dome, Klöster, Burgen, kleine Dorfkirchen, entstanden in der Zeit vom 10. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, zählen heute zur Touristenstraße, die nach Angaben des Landes zu den zehn beliebtesten in Deutschland zählt. Sie führt an 73 Orte.

Jährlich 1,6 Millionen Besucher

„Sachsen-Anhalt ist stein-reich – unser Land verfügt über eine unglaubliche Fülle an bedeutenden steinernen Zeitzeugen der Romanik. Mit diesem Pfund wuchern wir seit 25 Jahren, und 2018 ganz besonders“, sagt Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD). Jährlich werden laut Tourismusverband Sachsen-Anhalt 1,6 Millionen Besucher gezählt. Willingmann lobt gegenüber der Volksstimme „die Menschen, die sich ehrenamtlich und mit Tatkraft für ihre Bauwerke engagieren und sie Besuchern zugänglich machen“.

Im Jubiläumsjahr setzt das Land auf verstärkte Werbung und will mit der Kampagne „Pracht und Mythos in Sachsen-Anhalt – Schätze entdecken an der Straße der Romanik“ die Besucherzahl laut Ministerium „erheblich steigern“. Geplant ist eine Fülle an Veranstaltungen. Zu den Highlights gehören die Romanik-Festwoche vom 6. bis 13. Mai sowie zwei Sonderausstellungen in Memleben und Merseburg.

Sonderausstellungen in Memleben und Merseburg

In Memleben, im Frühmittelalter eine der bedeutenden Kaiserpfalzen des Reiches, wird am 7. Mai die Schau „Wissen und Macht – Der heilige Benedikt und die Ottonen“ öffnen. Bis zum 15. Oktober stehen mit Kaiser Otto II. und seiner Gattin Theophanu, dem Mönch Heimerad und dem heiligen Benedict vier Personen der europäischen Kulturgeschichte im Mittelpunkt. Zudem wird im Dom zu Merseburg das Wirken des Merseburger Bischofs Thietmar zu dessen 1000. Todestag gewürdigt. Er hat der Nachwelt eine Chronik hinterlassen, die Einblicke gibt nicht nur in den Alltag einst bedeutender Personen, sondern auch die Lebensumstände der einfachen Bevölkerung beschreibt. Zudem gibt es zahlreiche Festivals wie den Harzer Klostersommer oder den Quedlinburger Musiksommer, das Kaiser-Otto-Fest in Magdeburg und den Kaiserfrühling in Quedlinburg.

Auch die Volksstimme widmet der Straße der Romanik zum 25. Geburtstag eine Serie. In den nächsten Wochen führen die Beiträge nicht nur zu weithin bekannten Bauwerken wie den Naumburger und den Halberstädter Dom. Es geht in der Serie auch um Menschen und ihre Bemühungen, dieses historische Erbe immer wieder neu zu beleben. Das Rossini-Quartett aus Magdeburg ist schon im 16. Sommer auf Tour und lädt zu Musik und Literatur in Klöstern und Kirchen. Die Magdeburger Schriftstellerin Regine Sondermann hat vor Jahren nicht nur über Editha, die erste Gemahlin Ottos des Großen einen Roman geschrieben, sondern widmet ihr auch eine Konzert-Lese-Reise. Wir besuchen Klöster, die Auszeiten vom Alltag bieten und Kräuter und Gemüse wie im Mittelalter anbauen.

Festakt am 7. Mai im Magdeburger Dom

Seit März schon gibt es an der Straße der Romanik Führungen, Ausstellungen, Konzerte. Am 13. April lädt Halberstadt zur „Nacht im Domschatz“. Offiziell eingeläutet wird das Festjahr am Todestag von Otto dem Großen, dem 7. Mai, mit einem Festakt im Magdeburger Dom, jener Kathedrale, deren Ursprünge auf Otto den Großen und das Jahr 937 zurückgehen.Den Grundstein für die heutige gotische Kathedrale legte Erzbischof Albrecht II. von Magdeburg im Jahr 1209. Wer den Dom besucht, kann einiges aus dem romanischen Vorgängerbau entdecken, vor allem aber die Neuerungen der Gotik mit dem hohen Mittelschiff, den geöffneten Wänden, den langgestreckten Fenstern.

Wem das nicht ausreichend Romanik ist, der hat das Kloster gleich um die Ecke.

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