Naumburg (dpa) l Seit Mitte September fragen sich viele Patienten und Beschäftigten, wie es mit den Burgenlandkliniken im Süden Sachsen-Anhalts weitergeht. Damals musste der Klinikverbund mit Standorten in Naumburg wegen Zahlungsschwierigkeiten Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. Jetzt ist die Schonfrist um, in der die Arbeitsagentur die Löhne und Gehälter der 1500 Beschäftigten übernimmt. Am Montag wurde aus dem vorläufigen Insolvenzverfahren per Gerichtsbeschluss ein reguläres. Seither zahlen die Kliniken die Personalkosten wieder selbst. Zeit für eine Zwischenbilanz:

Was ändert sich jetzt:

Der Klinikbetrieb soll an beiden Standorten zunächst unverändert weiterlaufen. Das sagte Sanierungsexperte Lucas Flöther, der bei den Burgenlandkliniken als Sachwalter eingesetzt ist. Bis zu einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft der Kliniken seien weder Schließungen von Stationen noch Personalabbau geplant. Diese Aussage gelte auch für die Geburtenstation in Zeitz.

Zuletzt gab es Sorgen, dass diese Station geschlossen werden könnte. Ein Kommunalpolitiker sammelte über eine Online-Petition gar mehr als 11.000 Unterschriften, um den Zeitzer Standort im Ganzen langfristig zu sichern. Sicherheit kann es erst geben, wenn klar ist, woher die Burgenlandkliniken frisches Geld bekommen und wem sie künftig gehören. "Bis eine langfristige Lösung gefunden wird, ist das Haus damit gut aufgestellt und vorbereitet.

Wann ist klar, wie es weitergeht:

"Wir sind zuversichtlich, dass wir im ersten Quartal eine gute langfristige Lösung für das Klinikum Burgenlandkreis finden werden", hieß es von Arne Berndt, der derzeit als Sanierungsberater im Klinikum arbeitet. Das Vertrauen sei groß, dass die Kliniken eine dauerhafte Zukunftsperspektive hätten, ergänzte Sachwalter Flöther. Andernfalls hätte man den Weg der Insolvenz in Eigenverwaltung schon verlassen.

Denkbar sind verschiedene Optionen: So gibt es durchaus die Chance, dass die Kliniken in kommunaler Hand bleiben. Derzeit ist der Landkreis Gesellschafter des Klinik-Verbunds. Denkbar ist genauso, dass ein privater Investor komplett übernimmt – oder dass es eine Mischform gibt, in der neben einem neuen privaten Geldgeber auch der Landkreis Gesellschafter bleibt. Dabei ist die Option einer privaten Beteiligung nicht gerade unwahrscheinlich.

Die Suche nach einem neuen Investor und einem künftigen Eigentümer ist schon gestartet. Vorige Woche lief die Frist ab, bis zu der verbindliche Angebote vorliegen mussten. "Und die erfreuliche Nachricht lautet hier: Es gibt einige ernsthafte Interessenten, die das Klinikum gern übernehmen möchten", sagte Sachwalter Flöther. Wer die Interessenten sind, ist vertraulich. Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass es sich dabei um Interessenten aus dem Gesundheitswesen handelt, also größere private Klinikgruppen.

Wer entscheidet über die Zukunft?

Die Kliniken können das Insolvenzverfahren wegen guter Aussichten zwar in Eigenverwaltung durchlaufen, das heißt, die Geschäftsführung ist weiter im Amt. Doch es gibt zusätzliche Entscheidungsgremien, die mitzureden haben. Neben dem Sachwalter Flöther, der im Auftrag der Gläubiger die Geschäftsführung überwacht, ist da auch noch der Gläubigerausschuss. In ihm sitzen unter anderem auch Vertreter des Betriebsrats.

Dieser Ausschuss entscheidet am Ende, welches Angebot für die Fortführung der Kliniken die offenen Forderungen der Gläubiger am besten befriedigt, wie Sanierungsexperte Flöther erklärte. Das könnte theoretisch auch der Landkreis sein – wenn er im Rennen um die Klinken finanziell mit den privaten Interessenten mithalten kann.

Das Verfahren wird in Sachsen-Anhalt genau beäugt. Denn bei vielen Kliniken ist die finanzielle Lage angespannt. Weitere Insolvenzen sind nicht ausgeschlossen.