Magdeburg l Ärzte warnen davor, dass schon bald in ersten Regionen im Bund keine regulären Intensiv-Betten für Corona-Patienten mehr zur Verfügung stehen.

In Sachsen-Anhalt warnen Experten vor Personalknappheit auf Intensiv- und Normalstationen.Intensivmediziner gehen davon aus, dass binnen drei Wochen bundesweit in ersten Kliniken keine regulären Intensivbetten (ITS) für Corona-Patienten mehr verfügbar sind. Wenn die Fall-Zahl weiter ansteige, wie bisher, „sind alle aktuell als frei gemeldeten Betten belegt, schon in drei Wochen“, sagte Bernhard Zwißler, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Thomas Hachenberg, Chef der Intensivmedizin am Magdeburger Uniklinikum, sagte: „Das Szenario muss man im Blick haben“. Fürs Land halte er es derzeit nicht für wahrscheinlich. Ob die zweite Corona-Welle ihren Höhepunkt schon erreicht hat, könne man allerdings auch noch nicht abschätzen, ergänzte er.

Die Landeskrankenhausgesellschaft warnte derweil vor Personalknappheit: „Seit Beginn der Pandemie wurde die Zahl der zur Verfügung stehenden Betten mit Hilfe des Landes nahezu verdoppelt, was man von der Zahl der Krankenhausbeschäftigten nicht sagen kann“, sagte Geschäftsführer Gösta Heelemann.

Für den Betrieb zusätzlicher ITS-Betten müsse Personal aus Normalstationen hinzugezogen werden. „Das geht aber nur mit einer Rückführung des Regelbetriebs auf den normalen Stationen.“ Heelemann forderte die Aussetzung von Personaluntergrenzen, um flexibel zu sein.

● Bundesweit wurden im Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Noftallmedizin (Divi) wurden, Stand gestern 14 Uhr, 8410 freie ITS-Betten angegeben. Dabei wurden 3014 Corona-Patienten behandelt, 1695 unter Beatmung – ein neuer Rekord. Der bisherige Höchststand war am 18. April mit 2933 Patienten erreicht worden.

● In Sachsen-Anhalt waren gestern 268 von verfügbaren 985 ITS-Betten frei (73 Prozent Belegung). Aktuell werden aber nur 34 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 15 mit Beatmung. Die Zahlen nehmen zu: So gab es noch am 7. Oktober landesweit nur 7 Corona-ITS-Patienten. Im Bedarfsfall könnte das Land seine ITS-Bettenzahl laut Divi um 470 aufstocken. Alle diese Betten seien mit Pflegepersonal untersetzt, teilte das Sozialministerium zuletzt mit.

Auf Anfrage teilte allerdings etwa das Altmark-Klinikum mit: „Wegen Personalknappheit sind wir angehalten, Betten zu sperren.“ So waren am Freitag zwei von zehn ITS-Betten in Gardelegen gesperrt, sagte eine Sprecherin. Die Pfeifferschen Stiftungen gaben vergangene Woche an, in der Lungenklinik Lostau von 22 ITS-Betten mit dem vorhandenen Personal 17 Betten betreiben zu können. Am Uniklinikum Magdeburg sind von aktuell 20 freien ITS-Betten für Corona-Patienten zwölf ohne Personalumschichtungen betreibbar.

Andere Klinikträger, wie Ameos, Helios, die Johanniter, das Gesundheitszentrum Bitterfeld-Wolfen, das Harzklinikum „Dorothea Christiane Erxleben“ und die Stadt Halle erklärten, bislang weder bei der Bettenzahl noch personell an Grenzen zu stoßen.