Magdeburg l Es ist der 6. März 1998, der die Volksmusik-Welt erschüttert. Der damalige Manager der Kastelruther Spatzen, Karl-Heinz Gross (39), wird auf der Straße neben einer Lagerhalle im Magdeburger Industriehafen schwer verletzt aufgefunden. Gegen 18.15 Uhr wird er blutüberströmt entdeckt. Im Krankenhaus erliegt er seinen Verletzungen. Wie sich herausstellt, erlitt er schwerste Brust- und Kopfverletzungen. Die Beamten finden kaum Spuren. „Deshalb wissen wir bis heute nicht, ob der Fundort auch der Tatort ist“, erklärt Polizeisprecher Frank Küssner.

Mit der aktuellen ZDF-Fahndungssendung soll deshalb am Mittwoch (31. Januar) ab 20.15 Uhr ein weiterer Versuch unternommen werden, Hinweise zu bekommen. Die Familie setzt noch immer 50.000 Euro Belohnung aus. Lisa Miller vom ZDF in München: "Der Fall soll in einem ausführlichen Film dargestellt werden und Moderator Rudi Cerne wird im Studio einzelne Details vertiefen."

Die Magdeburger Ermittler erhoffen sich durch die Veröffentlichung eine Antwort auf die zentrale Frage: Wo war der Manager an jenem Abend zwischen 16.45 und 18.17 Uhr? Diese Minuten liegen trotz Befragung zahlreicher Zeugen im Dunkeln. Fest steht nur: Gross hatte den Tour-Bus der Spatzen in eine nahe gelegene Werkstatt gebracht und wartete auf die Reparatur. Diese verzögerte sich, weil Teile fehlten. Für die Bezahlung hatte er 7000 D-Mark und eine teure Uhr dabei, die man später bei ihm fand. Ein Raubmord scheidet deshalb aus.

Polizeisprecher Küssner: „Vielleicht hat sich der Täter oder ein Zeuge inzwischen jemandem anvertraut?“

Geringe Chancen

Die Chance für einen Durchbruch ist zwar gering, dennoch versucht die Magdeburger Polizei ein weiteres Mal, mit einer Öffentlichkeitsfahndung den Mord an Karl-Heinz Gross, Manager der Kastelruther Spatzen, doch noch zu klären. Rund 1000 Personen wurden seit März 1998 überprüft und zahlreichen Hinweisen in den vergangenen 20 Jahren von den Ermittlern nachgegangen. Doch nie kam es zu einem Durchbruch. Bis zu 20 Beamte arbeiteten zeitweise in der Soko „Spatzen“ an dem Fall. Der damalige Chefermittler Harald Meier erinnert sich: „Es waren die denkbar schlechtesten Voraussetzungen, die sich ein Kriminalist vorstellen kann. Es hat geregnet und zunächst wurde von einem Unfall ausgegangen. So wurde erst später der Kriminaldienst eingeschaltet.“ Den Fall hätte er gerne noch geklärt, bevor er Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen ist.

Es gibt zwar keine eindeutigen Beweise für das, was am 6. März 1998 auf der Magdeburger Steinkopfinsel nahe der Elbe geschehen ist. Allerdings zwei Theorien. Erstens: Gross ist von einem Fremden angefahren worden. Um diese Tat zu verdecken, ist er später mit „stumpfer Gewalt gegen Körper und Kopf“ tödlich verletzt worden. Vielleicht war es aber auch genau anders herum: Gross wurde aus einem unbekannten Grund im Streit schwer verletzt und um diese Verletzungsspuren zu verwischen, wurde der Manager nachträglich angefahren. Die Sendung Aktenzeichen „XY ungelöst ...“ unternimmt heute einen weiteren Versuch, der Wahrheit näher zu kommen.

Hinweise werden unter Tel. 0391/5 46 51 96 erbeten.