Magdeburg l In Sachsen-Anhalt sterben mehr Menschen an Herzkrankheiten als in anderen Bundesländern. Über Ursachen, Möglichkeiten von Diagnose und Therapie informieren zwei Herzspezialisten des Uniklinikums in einem Volksstimme-Telefonforum.

Welche Symptome können bei einem Herzinfarkt auftreten?

Symptome, die auf Durchblutungsstörungen des Herzens beziehungsweise auf einen Herzinfarkt hinweisen können, sind beispielsweise Atemnot bei körperlichen Belastungen sowie ein Druck, Engegefühl oder Brennen hinter dem Brustbein sowie in die Arme, den Rücken oder in Hals und Kopf ausstrahlende Schmerzen. Bei den sogenannten koronaren Herzerkrankungen können aber auch unspezifische Symptome wie Rücken- oder Oberbauchschmerzen, Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Schwitzen auftreten. Verursacht werden die Symptome durch Engstellen oder Verschlüsse in den Herzkranzgefäßen. Das Herz muss sich dann stärker anstrengen, um genug sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen.

Ist es möglich, dass ein Herzinfarkt nicht bemerkt wird?

Ja, es gibt sogenannte stumme Infarkte, deren Symptome die Patienten nicht mit den Durchblutungsstörungen des Herzens in Verbindung bringen. Beispielsweise haben Diabetiker und Frauen seltener den beengenden Brustschmerz bei einem Herzgefäßverschluss. Sie nennen eher untypische Warnsymptome wie Beschwerden wie Oberbauch-, oder Rückenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Können geschwollene Beine oder geschwollene Fußknöchel auf ein krankes Herz hinweisen?

Schwellungen der Beine und Füße können auf einen Blutrückstau an der rechten Herzkammer oder eine verminderte Nierendurchblutung hinweisen. Dadurch wird die Wassereinlagerung im Gewebe begünstigt und es bilden sich sogenannte Ödeme. Die Behandlung erfolgt mit blutdrucksenkenden Medikamenten. Zusätzlich sollte man auf eine salzarme Kost achten, denn Salz fördert die Einlagerung von Wasser in das Körpergewebewebe. Insbesondere auf das Nachsalzen des Essens sollte man möglichst ganz verzichten und stattdessen Kräuter verwenden.

Mein Mann ist mit Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 in ärztlicher Behandlung. Bei körperlichen Anstrengungen gerät er schnell ins Schwitzen und muss nach Luft ringen. Auch hatte er schon öfter das Gefühl von Herzstichen. Bei welchen Symptomen eines Herzinfarktes ist unbedingt der Notarzt unter 112 anzurufen?

Indizien für einen akuten Herzinfarktes sind ein zunehmendes Engegefühl im Brustkorb, akute Luftnot, Schmerzen, die in die Arme und andere Körperteile ausstrahlen, Übelkeit, Erbrechen und starkes Schwitzen. Die Symptome müssen nicht alle zusammen auftreten. Sie werden auch nicht durch Inhalation eines Nitrosprays gelindert.

Was können Angehörige von Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt bis zum Eintreffen des Rettungsteams tun?

Ist der Patient ansprechbar und hat Luftnot, sollte man ihn mit erhöhtem Oberkörper lagern und zu eng sitzende Kleidungsstücke im Bereich des Brustkorbs lockern. Wichtig ist, bei dem Betroffenen zu bleiben, auf die Atmung zu achten und beruhigend auf ihn einzuwirken. Dem Patienten sollte man nichts zu essen oder zu trinken geben. Hilfreich für die ärztliche Notfallbehandlung ist, wenn dem Rettungsteam ein Zettel mit Angaben über die bereits eingenommenen Medikamente und dem Namen des behandelnden Hausarztes mitgegeben werden kann. Informationen über die Blutgruppe müssen nicht notiert werden.

Sollte man bei Bewusstlosigkeit gleich mit der Herzdruckmassage beginnen?

Ja. Wenn der Patient bewusstlos ist und die Atmung ausgesetzt hat, sollte sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Sie erfolgt durch kräftigen Druck mit dem Handballen auf die Mitte des Brustbeins. Wichtig ist, dass das Drücken korrekt ausgeführt wird: senkrecht von oben und bei einem Erwachsenen etwa fünf Zentimeter tief und nicht zu langsam (ungefähr 80 bis 100 Mal). Auf eine Mund zu Mund-Beatmung kann verzichtet werden.

Kann die Herzdruckmassage schaden, wenn noch ein Herzschlag vorhanden ist?

Nein, die Herzdruckmassage hat keinen negativen Einfluss auf den Herzschlag.

Mein Eltern starben am Herzinfarkt. Ich bin jetzt 42 Jahre alt und möchte verhindern, dass es mir einmal ähnlich ergeht. Wie kann ich herausfinden, wie gefährdet ich bin?

Sie sollten Ihren Hausarzt darauf ansprechen, der einen Check-up durchführen kann. Die Kosten werden im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen von den meisten Krankenkassen getragen. Wichtig ist auch ein Belastungs-EKG (Elektrokardiogramm) auf dem Fahrradergometer. Kardiologen können direkt in das Herz hineinsehen. Neben erblichen Faktoren erhöhen wenig Bewegung, Rauchen, eine ungesunde Ernährung, schlecht Blutfettwerte und Bluthochdruck das Infarktrisiko. Durch eine gesündere Lebensweise lassen sich häufig gleich mehrere Risikofaktoren günstig beeinflussen. Vorbeugend empfohlen wird ein körperliches Training (z.B. Gehen, Radfahren, Joggen, Wandern, Schwimmen) von mindestens 30 Minuten, vier bis fünfmal in der Woche.

Ich bin 50 und will künftig häufiger Laufen. Wie hoch darf mein Puls steigen, ohne dass ich mein Herz überfordere?

Eine Faustregel ist, dass körperliche Betätigung so lange günstig ist, wie keine Atemnot auftritt. Das ist viel besser, als ständig auf den Puls zu achten. Achten Sie darauf, wie Sie sich fühlen und ob Sie trotz körperlicher Belastung sprechen kann. Das gilt für das Laufen ebenso wie für andere Sportarten wie das Wandern oder Radfahren.

Ich bin gebehindert. Sport ist deshalb nur eingeschränkt möglich. Was kann ich tun, um dennoch mein Herz zu stärken?

Auch wenn man beim Gehen behindert sind, kann man noch Sport betreiben, zum Beispiel Schwimmen oder Training auf einem Handergometer. Dabei werden die Arme im Sitzen trainiert.

Gibt es ein Höchstalter, bis zu dem Behandlungen mit dem Herzkatheter und Bypass-Operationen durchgeführt werden können?

Nein. Es gibt keine fixe Altersobergrenze. Entscheidend ist der klinische Befund und der Gesundheitszustand des Patienten sowie Art und Zahl anderer Begleiterkrankungen.

Mein Vater ist schon 79 Jahre alt. Er benötigt neue Herzklappen. Raten Sie eher zur Behandlung beim Kardiologen oder beim Herzchirurgen?

Diese Entscheidung wird in der Regel gemeinsam im Herzteam von Kardiologen und Herzchirurgen getroffen. Prinzipiell möglich sind sowohl kathetergestützte Klappenoperationen wie auch mikrochirurgische Klappenrekonstruktionen beziehungsweise der Einsatz von mechanischen oder biologischen Herzklappen.

Meine Kardiologin hat eine leichte Undichtigkeit einer Herzklappe festgestellt. Sie meinte, dass eine Operation noch nicht erforderlich ist. Wann muss ich mich auf eine Operation einstellen? Kann ich eine Zweitmeinung einholen?

Natürlich haben Sie ein Recht auf Zweitmeinung eines anderen Arztes. Wichtig ist es, dass Sie den Befund Ihrer Kardiologin mitbringen. Dazu gehört eine Herzecho-Untersuchung. Das Herzecho zeigt das Ausmaß der Herzklappenundichtigkeit an. In der Herzklinik können wir mit Herzkatheter weitere Untersuchungen durchführen, die über die Art der Behandlung durch Kardiologen oder Herzchirurgen entscheiden. Bei leichteren Undichtigkeiten, die nicht zu Symptomen wie Atemnot und schnelle Erschöpfung führen, kann man mit einer Korrektur der Herzklappen auch warten.

Ich trage seit sechs Jahren einen Herzschrittmacher. In den jüngsten Monaten fühle ich mich oft sehr müde. Kann es sein, dass die Leistung des Herzschrittmachers nachlässt?

Nein. Die Funktion des Herzschrittmachers wird von Ihrem Kardiologen in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Das Gerät wird bereits Monate vor dem Nachlassen der Betriebsleistung eine Warnung abgeben. Wenn Sie sich ständig müde fühlen, sollten Sie Ihren Hausarzt darauf hinweisen. Die Ursachen können vielfältig sein.