Magdeburg l Die Polizei hat 22 Orte in Sachsen-Anhalt als besonders gefährlich eingestuft. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit hier besonders hoch, Opfer einer Straftat zu. Auf der Liste stehen nicht nur bekannte Kriminalitätsschwerpunkte wie der Hasselbachplatz in Magdeburg, sondern auch die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune (Altmarkkreis Salzwedel) oder die Bahnstraße in Möser (Jerichower Land). Die Liste der 22 gefährlichen Orte ist Teil einer Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag.

Für die Polizei sind die „gefährlichen Orte“ natürlich besonders interessant. In den vor allem von Fußgängern frequentierten Bereichen werden Polizeistreifen eingesetzt, zusätzlich zu den Regionbereichsbeamten. Zudem ist die Polizei sensibilisiert, um im Ernstfall schnell vor Ort zu sein. Die Einstufung einer Straße oder eines Areals hat einen ganz praktischen Wert: Laut Polizeigesetz ist es so einfacher, Straftäter dingfest zu machen. So werden Ausweiskontrollen erleichtert. Zwar kann die Polizei immer den Ausweis verlangen - allerdings nicht ohne einen trifftigen Grund. Das ist an einem „gefährlichen Ort“ anders. Ein weiterer wichtiger Punkt: die Videoüberwachung. Wenn die Behörden einen Ort als „gefährlich“ einordnen, kann dort auch ohne weitere Genehmigung Videoüberwachung vorgenommen werden - so wie am Hasselbachplatz in Magdeburg.

Besonders viele Einbrüche können zum Beispiel eine Straße zum „gefährlichen Ort“ werden lassen. So hat die Polizei in Irxleben (Bördekreis) innerhalb von zwei Jahren in den Straßen rund um die A2-Auffahrt 17 Wohnungseinbrüche gezählt. Ebenso scheint die Lindenallee in Burg (Jerichower Land) nicht ungefährlich zu sein. Zumindest für Lkw-Fahrer. In dem Gewerbegebiet wurden in der Vergangenheit oft Laster aufgebrochen.

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Halle mit meisten "gefährlichen Orten"

Die meisten „gefährlichen Orte“ haben die Behörden allerdings  in Halle ausgemacht:  Neben dem Hauptbahnhof sind die beiden großen Plätze, Riebeckplatz und Marktplatz, aber auch der Südpark, der Stadtteil Heide-Süd und der Boulevard Brennpunkte für Drogen- und Gewaltkriminalität.

In Magdeburg steht der Strubepark auf der Liste. Allein im Jahr 2017 wurden dort mehr als 60 Drogendelikte erfasst. In der Julius-Bremer-Straße wurden in den vergangen Jahren vor allem politisch motivierte Straftaten registriert. Hier stand noch in den 30er Jahren die Synagoge.

Die meisten Straftaten - und das ist keine Überraschung - wurden am Hasselbachplatz begangen. Zwischen 2008 und 2016 gab es rund um Magdeburgs wohl bekanntesten Platz durchschnittlich 1000 Straftaten pro Jahr - und hunderte Polizeieinsätze.

Oschersleber Bahnhof ist gefährlich

Aber auch in den Kleinstädten nahe Magdeburg finden sich „gefährliche Orte“. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden ist das Areal rund um den Bahnhof in Oschersleben (Börde) für einen Spaziergang nicht zu empfehlen: Eine ganze Reihe von Straftaten hat die Polizei in den vergangenen zwei Jahren dort erfasst. Darunter klar politisch motivierte Delikte wie Hakenkreuzschmierereien, aber auch Schlägereien und eingeworfene Fenster.

Zumindest zeitweise hat es auch ein Club im beschaulichen Blankenburg (Harz) auf die Liste geschafft. Dort finden mehrmals im Jahr Partys mit hunderten Teilnehmern aus ganz Deutschland statt. Vor allem Drogen wurden in der Vergangenheit bei Kontrollen entdeckt. Und weil viele Partygäste zugedröhnt mit dem Auto fahren und es auch zu Rangeleien kam, hat die Polizei seit dem Jahr 2017 die Location als gefährlichen Ort eingestuft.

Übersicht der 22 gefährlichsten Orte:

  1. Magdeburg, Hasselbachplatz: Gewalt- und Betäubungsmittelkriminalität
  2. Magdeburg, Willy-Brandt-Platz: Gewaltkriminalität
  3. Magdeburg, Julius-Bremer-Straße: politisch motivierte Kriminalität
  4. Magdeburg, Dodendorfer Straße: Betäubungsmittelkriminalität
  5. Burg, Schartauer Straße: Gewaltkriminalität
  6. Burg, Lindenallee: Eigentumskriminalität
  7. Möser, Schermener Weg/Bahnstraße: Eigentumskriminalität
  8. Gardelegen, Gedenkstätte Isenschnibber Feldscheune: politisch motivierte Kriminalität
  9. Irxleben, Hohenwarsleber Chaussee, Gewerbestraße/Niederdodeleber Straße: Eigentumskriminalität
  10. Oschersleben, Am Bahnhof, ZOB: politisch motivierte Kriminalität
  11. Bernburg, Karlsplatz: Gewalt- und Betäubungsmittelkriminalität
  12. Bernburg, Bahnhofsstraße: Gewalt-, Straßen- und Betäubungsmittelkriminalität
  13. Bernburg, Olga-Benario-Straße: Eigentumskriminalität
  14. Blankenburg, Am Hasenwinkel/Michaelsteiner Straße: Betäubungsmittelkriminalität
  15. Halle, Marktplatz: Gewalt- und Straßenkriminalität
  16. Halle Riebeckplatz: Betäubungsmittelkriminalität
  17. Halle, Südpark: Gewalt- und Straßenkriminalität
  18. Halle, Am Treff: Gewaltkriminalität
  19. Halle, Heide-Süd: Eigentumskriminalität
  20. Merseburg, Neumarkt Stele: politisch motivierte Kriminalität
  21. Naumburg, Fischstraße, Fischgasse, Mühlgasse, Stadtpark: Betäubungsmittel- und Eigentumskriminalität
  22. Lutherstadt Eisleben, Markt und Plan: Eigentums- und Gewaltkriminalität

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