Landtagswahl

Begehrter Job: Selbst Berliner wollen Wahlhelfer sein

Impfangebot für Wahlhelfer bei der Landtagswahl sorgt für Zulauf auf das Ehrenamt. Grund: Es gibt eine Corona-Impfung - doch nicht jeder Helfer lässt sich impfen.

Von Alexander Walter
Wahlhelfer im Einsatz:  Das Corona-Impfangebot hat dem Ehrenamt einen  deutlich erhöhten Zulauf beschert.
Wahlhelfer im Einsatz: Das Corona-Impfangebot hat dem Ehrenamt einen deutlich erhöhten Zulauf beschert. Foto: dpa

Magdeburg

Häufig musste Ilsenburgs Ordnungsamtsleiter Henri Fischer bei früheren Wahlen noch am Tag vor dem Urnengang telefonieren, um genügend Wahlhelfer für die Wahllokale seiner Stadt zu finden. Diesmal aber ist alles anders, sagt er: „Seit drei, vier Wochen sind wir voll.“

Für die Landtagswahl am 6. Juni stünden nicht nur genügend Freiwillige, sondern auch Ersatzpersonen bereit.

Uns haben Interessenten aus Berlin angerufen.

Norman Klebe, Bürgermeister in ArendseeDie Stadt am Brocken steht für einen landesweiten Trend: Sachsen-Anhalts Kommunen konnten die gut 20.000 zu besetzenden Wahlhelferstellen diesmal deutlich leichter als bei früheren Wahlen besetzen.

Magdeburg etwa hat alle 1600 benötigten Freiwilligen längst zusammen, ebenso Dessau-Roßlau (rund 700) , Stendal (318) oder Schönebeck (160).

In einigen Städten gab es sogar überregionale Anfragen: „Uns haben Interessenten aus Berlin angerufen“, sagt Norman Klebe, Bürgermeister von Arendsee. In Stendal kam laut Rathaus ein Interessent aus dem Raum Hamburg. Zum Zuge kommen die Auswärtigen indes nicht. Grund ist die Landeswahlordnung. Sie legt fest, dass Wahlhelfer aus der Gemeinde kommen sollen.

Was steckt hinter dem Zulauf? Wahlhelfer sollen eine vorgezogene Corona-Schutz-Impfung bekommen, dafür wurden sie in der Impfreihenfolge auf die Stufe 3 hochgestuft: „Der Schutz der Personen, die als Wahlhelfer dieses wichtige Ehrenamt für unsere Demokratie ausüben, hat Priorität“, sagte Landeswahlleiterin Christa Dieckmann im April zur Begründung. Für Ilsenburgs Ordnungsamtsleiter Fischer besteht kein Zweifel, dass dies auch der Grund für den Anstieg der Meldungen in seiner Stadt ist.

Hinter dem Zulauf stehen Personen, die laut Impfreihenfolge noch nicht bis zum Wahltermin geimpft werden würden, sagt auch Stendals Kreissprecherin Andrea Vogel.

Was ist aus dem Versprechen vorgezogener Impfungen geworden? Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatte im April erklärt: Man werde rechtzeitig vor der Wahl mit den Immunisierungen beginnen können.

Der vollständige Impfschutz wird bei den meisten am Wahltag nicht vorhanden sein.

Andrea Vogel, Sprecherin Landkreis StendalDoch nicht überall wird die vollständige Impfung gelingen. Grund: Zwischen Erst- und Zweitimpfung müssen bei mRNA-Impfstoffen wie Biontech sechs Wochen liegen, bei Vector-Vakzinen wie Astrazeneca gar zwölf Wochen.

Der volle Impfschutz ist nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zudem erst 15 Tage nach der Zweitimpfung voll aufgebaut. In Ilsenburg erhalten die knapp 70 Wahlhelfer dennoch erst heute ihre erste Impfung, die zweite erst nach der Wahl. Im Kreis Stendal haben die Erstimpfungen zwar am 3. Mai begonnen: „Der vollständige Impfschutz wird bei den meisten am Wahltag aber nicht vorhanden sein“, sagt Kreissprecherin Andrea Vogel. In Magdeburg haben 980 Wahlhelfer am vergangenen Wochenende ihre Erstimpfung bekommen, die zweite soll aber erst Ende Juni folgen. Auch der Altmarkkreis Salzwedel räumt ein: Beide Impfungen plus Karenzzeit sind vor der Wahl nicht zu schaffen.

Andernorts gingt es schneller: In Schönebeck etwa, dem Jerichower Land oder dem Landkreis Börde gab es schon im April zentrale Impftermine.

Auch wenn die Impfung Hauptfaktor für den Zulauf zur Wahlhilfe ist: Nicht alle Ehrenamtler wollen die schützende Spritze. Im Kreis Börde nahm mit 752 Personen nur knapp die Hälfe der Helfer das Impfangebot an. Was lockt diese Leute? Möglicherweise das sogenannte Erfrischungsgeld. Für Briefwahlhelfer in den Kreisen gibt es 30 Euro.

Die Kommunen zahlen teils deutlich mehr, Dessau-Roßlau etwa je nach Funktion 50 bis 70 Euro. Renate Ahlfeld von der Stadt Kalbe (Milde) hält noch ein anderes Motiv für denkbar: Verantwortlich könnte auch gesteigertes politisches Interesse sein, sagt sie.