Preispolitik und Verträge

Hunderte Beschwerden gegen zwei Stromanbieter in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Verbraucherzentrale meldet Hunderte Beschwerden über fragwürdiges Verhalten der Anbieter „voxenergie“ und „primastrom“. Preise würden trotz Preisgarantie teils exorbitant erhöht. Die Firmen reagieren auf Bitte um Stellungnahme per Anwalt.

Von Alexander Walter 09.05.2022, 18:59
Rund 400 Beschwerden über die beiden Stromanbieter "primastrom und "voxenergie" gingen seit Januar bei der Landes-Verbraucherzentrale ein.
Rund 400 Beschwerden über die beiden Stromanbieter "primastrom und "voxenergie" gingen seit Januar bei der Landes-Verbraucherzentrale ein. Andrea Warnecke/dpa-tmn

Magdeburg - Seit Januar ist die Zahl der Beschwerden über fragwürdiges Verhalten der Stromanbieter „voxenergie“ und „primastrom“ sprunghaft gestiegen, meldet die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt: Rund 400 Beschwerden von Kunden im Land liegen dort demnach bis heute vor. „Das ist extrem viel“, sagte Diane Rocke vom Referat Recht am Montag der Volksstimme.

Auch die Verbraucherzentralen Berlin, Sachsen, Thüringen und Niedersachsen berichten von einer Vielzahl an Beschwerden. Bundesweit gehen die Verbraucherschützer demnach inzwischen von mehreren tausend Fällen aus.

Verbraucherzentrale: Exorbitante Preiserhöhungen teils binnen weniger Tage

Die Gründe für die Beschwerden: „In der Regel geht es darum, dass der vereinbarte Verbrauchspreis trotz Preisgarantie erhöht oder die monatliche Abschlagszahlung auf ein exorbitantes Niveau angehoben wurde“, heißt es in einer Mitteilung der Verbraucherzentrale.

„Es gibt Fälle, in denen über eine Preiserhöhung binnen weniger Tage informiert wurde, ergänzte Diane Rocke. „Da stehen teilweise Preise von 70, 80 Cent je Kilowattstunde drin.“ Der Volksstimme liegt ein auf den 28. Dezember 2021 datiertes Schreiben an einen Haushalt in Halle mit dem Briefkopf „voxenergie“ vor. Darin wird über die Anhebung des Strompreises von 30,43 Cent auf 71,73 Cent mit Wirkung zum Jahreswechsel – also nur Tage später – informiert. Auch das Sonderkündigungsrecht, das Kunden bei Vertrags- oder Preisänderungen zustehe, werde von „primastrom“ und „voxenergie“ immer wieder ignoriert, sagt Rocke.

Anwaltskanzlei weist Darstellung der Verbraucherschützer zurück

Die Volksstimme bat die Anbieter um Stellungnahme zur Mitteilung der Verbraucherzentrale. Statt direkt zu antworten, beauftragten die Unternehmen eine Anwaltskanzlei. Sie schreibt: „Die Pressemitteilung (...) können unsere Mandantinnen nicht nachvollziehen und logischerweise nur zu etwaigen Einzelfällen Stellung beziehen“. Und: „Die Pauschalbehauptungen, Verträge würden intransparent verlängert (...) und Preissteigerungen nur Tage im Voraus angekündigt, weisen unsere Mandantinnen aufgrund von mangelnder Nachprüfbarkeit mit aller Schärfe von sich.“ Auch das Sonderkündigungsrecht werde mitnichten ignoriert.

Kostenfreies Webseminar zu „unseriösen Geschäftspraktiken“

Derzeit prüfe man rechtliche Schritte gegen die Verbraucherzentrale. Die Volksstimme warnt die Kanzlei vor unzulässiger Verdachtsberichterstattung.

Die Landes-Verbraucherzentrale indes bleibt bei ihrer Position: Man rate Betroffenen, unzulässig überhöhte Forderungen nicht zu bezahlen. Diane Rocke ergänzt: „Die Vielzahl der festgestellten Vertragsbrüche erfordert ein schnelles und wirkungsvolles Eingreifen der Bundesnetzagentur als zuständige Aufsichtsbehörde.“

Die Verbraucherzentrale Berlin ergänzte, bei ihr beschäftige sich inzwischen rund die Hälfte der Beschwerden bei der Energieberatung mit den beiden Firmen. Die Zentrale bietet deshalb inzwischen ein kostenfreies Webseminar an. Thema: „Unseriöse Geschäftspraktiken einiger Energieversorger“.