Patente

Kein Land für Tüftler? Weniger Patente in Sachsen-Anhalt

Bei Patentanmeldungen lag Deutschland 2020 auf dem zweiten Platz weltweit. Doch weniger als ein Prozent der Erfindungen stammt aus Sachsen-Anhalt. Woran liegt das?

Von Christoph Carsten
Das Deutsche Patent- und Markenamt in München hat seinen aktuellen Jahresbericht veröffentlicht.
Das Deutsche Patent- und Markenamt in München hat seinen aktuellen Jahresbericht veröffentlicht. Foto: DPA

Magdeburg - Photovoltaik ist eine beliebte Technologie, um Strom aus Sonne zu gewinnen. Doch oft sind die Solaranlagen Schmutz und Staub ausgesetzt, etwa, wenn sie in der Wüste stehen. Eine Lösung für das Problem kommt von Forschern des Fraunhofer-Instituts in Halle: Sie entwickelten eine spezielle Beschichtung, auf der Partikel schlechter haften bleiben und die die natürliche Selbstreinigung begünstigt. Ihre Erfindung haben sich die Wissenschaftler aus Sachsen-Anhalt als Patent schützen lassen.

Rund 62.100 Patente sind im vergangenen Jahr in Deutschland angemeldet worden, mehr als 19.800 davon aus dem Ausland. So steht es im aktuellen Jahresbericht des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) in München. Zwar ging die Zahl der bundesweiten Anmeldungen im Vergleich zum Vorjahr um rund acht Prozent zurück, dennoch bleibt Deutschland eine Nation der Tüftler. Nur in den USA bemühten sich 2020 mehr Unternehmen und Forscher um den Schutz ihrer Erfindungen.

In Sachsen-Anhalt stellt sich die Lage ernüchternder dar. Mit 161 eingereichten Patenten lag der Anteil des Landes an den Anmeldungen 2020 bei 0,4 Prozent – ein Minus von 17 Prozent im Vergleich zu 2019 (194 Anmeldungen). Nur in Mecklenburg-Vorpommern (107) und Bremen (122) wurden weniger Patente angemeldet. Mit sieben Anmeldungen pro 100.000 Einwohner belegt Sachsen-Anhalt zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern im Bundesvergleich den letzten Platz.

Besonders innovativ war Sachsen-Anhalt laut Statistik im vergangenen Jahr im Bereich der Messtechnik (17 Anmeldungen), außerdem bei den Halbleitern (14) und sonstigen Sondermaschinen (14).

Ressourcen für Forschung fehlen in Sachsen-Anhalt

„Die Ursachen liegen in der Wirtschaftsstruktur des Landes “, sagte Gerald Böhm, Leiter des Transfer- und Gründerzentrums an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Anders als im Süden Deutschlands fehlten entwicklungsfreudige Großunternehmen wie Bosch, Schaeffler und Daimler. „86 Prozent der Unternehmen in Sachsen-Anhalt sind Klein- und Kleinstunternehmen, die schlicht nicht die Ressourcen haben, Forschung zu betreiben“, so Böhm.

Hinzu kommt: Arbeiten der außeruniversitären Forschungsinstitute des Landes gehen oft gar nicht in die Statistik mit ein. Für drei Erfindungen im Bereich Robotik haben die Forscher am Magdeburger Fraunhofer-Institut im laufenden Jahr Schutzrechte angemeldet, bei den Kollegen aus Halle waren es 2020 sechs Anmeldungen. Jedoch: „Unsere Patente werden grundsätzlich über die Zentrale in München eingereicht“, sagte René Maresch, Sprecher bei Fraunhofer in Magdeburg.

„Die Zahl der Patentanmeldungen in Sachsen-Anhalt sagt wenig über die Innovationskraft aus“, sagte Matthias Stoffregen, Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Das Ressort verweist auf eine Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft von 2019: Legt man die Zahl der Patentanmeldungen je 1000 Wissenschaftler zugrunde, belegt Sachsen-Anhalt mit 17,5 bundesweit sogar den vierten Platz hinter Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.

Viele Entwickler würden zudem die mit einer Anmeldung verbundenen Kosten scheuen: Laut DPMA fallen für das Anmelden, Überprüfen und Erteilen eines Patents mehrere Hundert Euro an. Auf europäischer Ebene werden sogar einige Tausend Euro fällig. Um einiges höher seien darüber hinaus die Kosten für Anwälte, die viele Anmelder im Vorfeld der Patentierung beauftragen würden.