Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Schlagabtausch in der Wahlarena

Zum einzigen Mal vor der Landtagswahl sind die sechs Spitzenkandidaten der größeren Parteien in der „MDR-Wahlarena “ aufeinander getroffen. Wer hat überzeugt?

Von Alexander Walter und Michael Bock
In der MDR-Arena im Landesfunkhaus in Magdeburg trafen die Spitzenkandidaten von sechs Parteien aufeinander.
In der MDR-Arena im Landesfunkhaus in Magdeburg trafen die Spitzenkandidaten von sechs Parteien aufeinander. Foto: dpa

Magdeburg - Eines vorweg: In der Wahlarena ging es munter zu. In kurzweiligen 90 Minuten schenkten sich die Spitzenkandidaten nichts. Wer schlug sich wie?

REINER HASELOFF: Seit 2011 ist der Wittenberger Regierungschef. Jetzt will es der 67-Jährige zum dritten Mal wissen. Er ist oft Gast in Talkshows , häufiger ist er bei Markus Lanz zu sehen. Diese Erfahrung kommt ihm zugute. Sein Auftritt in der „Wahlarena“: seriös, fachkundig, präsidial. Die Argumentation ist griffig. Dem Befund etwa, die mittleren Einkommen im Land lägen 700 Euro unter dem Bundesschnitt, hält er einen Positivtrend entgegen. So verzeichne Sachsen-Anhalt nach Brandenburg die höchsten Lohnzuwächse im Osten.

Immer wieder mal lächelt er milde. Das wirkt fast schon väterlich. Bei aller Gelassenheit zeigt er auch Krallen. So, als Linke-Spitzenkandidatin Eva von Angern der Landesregierung vorwirft, sich mit ihrer Bildungspolitik an den Kindern „vergangen zu haben“. „Achten Sie auf Ihren Wortschatz“, ruft Haseloff dazwischen.

Einmal lässt sich Haseloff zu Kritik an einem Koalitionspartner hinreißen. Landwirte müssten wie Bittsteller auftreten, kritisiert von Angern. „Das ist richtig, das muss sich ändern“, sagt der Regierungschef. Ein Seitenhieb auf die Politik der grünen Agrar- und Umweltministerin Claudia Dalbert. Die CDU will nach der Landtagswahl das Landwirtschaftsministerium wieder übernehmen. Die Grünen wollen es behalten.

CORNELIA LÜDDEMANN: Die Spitzenkandidatin der Grünen ist vor allem eines: bestechend ehrlich. Die Erziehungswissenschaftlerin wirkt authentisch und bodenständig. Sie macht deutlich, dass ihre Partei im Fall einer erneuten Regierungsbeteiligung kein bequemer Koalitionspartner sein wird. Alle Verkehrsprojekte sollten noch einmal einer Prüfung ihrer Klimafreundlichkeit unterzogen werden – ausgenommen nur Projekte, für die bereits Baurecht besteht.

Was wäre ihr lieber?, fragen die Moderatoren: A 14 oder Seilbahn? „Weder noch“, antwortet Lüddemann. „Die A 14 steht aber im Koalitionsvertrag“, sagt Haseloff. Auch im Corona-Management werden Differenzen sichtbar. Lüddemann hält die Bundes-Notbremse für notwendig, Haseloff nicht. Reinen Wein schenkt die 53-Jährige bei der Gesundheitsversorgung ein: Die 47 Krankenhausstandorte im Land wolle man erhalten. Aber sie müssten sich verändern, teils zu medizinischen Versorgungszentren mit angeschlossener Station.

EVA VON ANGERN: Die Spitzenkandidatin der Linken ist sehr präsent, angriffslustig, bissig. Immer wieder attackiert die 44-Jährige den Ministerpräsidenten direkt. Das macht sie im Landtag bereits seit Monaten. Die rhetorisch gut beschlagene Juristin wirkt aber übereifrig, fällt anderen ins Wort, findet kein Ende. Das birgt Nervpotenzial.

Die Magdeburgerin fordert die Einstellung von deutlich mehr Lehrern. In der Pandemie habe das Land Einzelhändler und Gastronomen im Stich gelassen, sagt sie.

KATJA PÄHLE: Die Spitzenkandidatin der SPD tritt sachlich und problemorientiert auf, sie lässt sich nicht provozieren, wirkt ein wenig unterkühlt. Es wird deutlich, dass die Hallenserin tief in vielen Themen steckt. Sie nimmt vor allem CDU-Bildungsminister Marco Tullner aufs Korn. Dieser habe Geld, das ihm der Landtag für die Lehrereinstellung zur Verfügung gestellt hatte, nicht ausgeschöpft. Die Mittel seien zum Teil ans Finanzministerium zurückgeflossen. Die Lehrergewinnung sei zu langsam, Tullners Einstellungsmanagement „unprofessionell“.

Im Wahlkampf hängen SPD-Plakate mit der Botschaft: „Chaos an den Schulen beenden.“ Die Sozialdemokraten stellten in der zurückliegenden Legislaturperiode mit Stephan Dorgerloh (2011 bis 2016) den Schulminister. In dieser Zeit fuhr das Land einen Konsolidierungskurs, baute auch Lehrerstellen ab.

LYDIA HÜSKENS: Die Spitzenkandidatin der FDP wirkt fachlich fit und abgeklärt. Ihre Politik-Erfahrenheit aus zwei Legislaturperioden im Landtag (2002 bis 2011) kommt der 47-Jährigen zugute. Ihre Argumente sind knapp, sachlich, nachvollziehbar. Bemerkenswert: Die Kandidatin spricht stets für sich, machte keiner Partei Avancen.

OLIVER KIRCHNER: Der AfD-Spitzenkandidat bleibt blass und größtenteils unauffällig. Das passt in die Linie der vom Verfassungsschutz in den Fokus genommenen Partei, im Landtagswahlkampf keine Angriffsfläche zu bieten. Die AfD will etwa, dass maximal 25 Prozent der Schüler aufs Gymnasium gehen. So soll das Handwerk gestärkt werden. Pähle und Lüddemann bezeichnen eine solche Quotierung als „Quatsch“.

Kirchner fordert den schnellen Ausbau der A 14. Mit Blick auf Demonstranten sagt er: „Die Leute, die auf den Bäumen sitzen, müssen weg.“