Landespolitik

Wie der frühere Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, sein Leben neu sortiert

Holger Stahlknecht sucht neue Herausforderungen.  Am Samstag (26. Juni) tritt der frühere Landes-Innenminister für das Amt des Präsidenten des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt an.

Von Michael Bock
Gut gelaunt: Ex-Innenminister Holger Stahlknecht posiert kürzlich bei einem Sponsorentermin des 1. FC Magdeburg im Stadion.
Gut gelaunt: Ex-Innenminister Holger Stahlknecht posiert kürzlich bei einem Sponsorentermin des 1. FC Magdeburg im Stadion. Foto: Imago

Magdeburg - Wer in diesen Tagen mit Holger Stahlknecht spricht, erlebt einen Mann von demonstrativer Gelassenheit. „Ich bin tiefenentspannt“, sagt der 56-Jährige. „Ich bin mit mir und dem Leben im Reinen.“

Es läuft wieder rund bei dem ehemaligen Innenminister und früheren CDU-Parteivorsitzenden. Bei der Landtagswahl am 6. Juni holte er mit 40,4 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Das war landesweit eines der besten Ergebnisse. Vor Ort ist er nach wie vor eine Größe.

Stahlknecht arbeitet zudem in Magdeburg wieder in seinem alten Beruf als Anwalt. Fachgebiete sind unter anderem Wirtschaftsstrafrecht, Kommunalrecht und auch politische Beratung.

Am Samstag (26. Juni) will der Jurist zum Präsidenten des Landes-Fußballverbandes gewählt werden. Damit könnte er ins Rampenlicht zurückkehren. Stahlknecht geht in eine Kampfkandidatur mit dem langjährigen Verbands-Vizepräsidenten Michael Rehschuh. Der 61-Jährige ist Sportlehrer in Köthen. Beide rechnen sich gute Chancen aus.

Stahlknecht sieht keine Probleme, alles unter einen Hut zu bekommen. „Ich habe zehn Jahre lang wöchentlich zwischen 60 und 80 Stunden gearbeitet“, sagt er. „Das Zeitmanagement habe ich gut im Blick.“ Stahlknecht war zwischen 2011 und 2020 Innen- und Sportminister.

Stahlknecht, machtbewusst und charismatisch, galt lange Zeit als Kronprinz von Reiner Haseloff. Der aber trat dann doch zum dritten Mal als Spitzenkandidat an. Im vorigen Dezember fand Stahlknechts politische Karriere ein jähes Ende. Ministerpräsident Haseloff entließ ihn als Innenminister.

Grund: Stahlknecht hatte in einem mit Haseloff nicht abgestimmten Volksstimme-Interview eine CDU-Minderheitsregierung ins Spiel gebracht für den Fall, dass die Kenia-Koalition im Streit über eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags platzen sollte. Stahlknecht gab den Landesvorsitz ab.

Stahlknecht will nicht nachtragend sein

Nach wie vor ärgert ihn, dass man ihm unterstellt habe, er plädiere für eine Zusammenarbeit mit der AfD. In einem Interview mit der „Zeit“ sagt er: „Ich habe diese Partei im Landtag immer scharf konfrontiert und kritisiert; vor allem dann, wenn sie wieder geschichtsklitternd auftrat. Leider wird öffentlich mein Ruf beschädigt. Das ist nicht gerade fair.“

Stahlknecht ließ sich die Demütigung des Rauswurfs nach außen nicht anmerken. Schon kurz danach flachste er, er beschäftige sich nun damit, wie der hoch komplizierte Backofen in der Küche funktioniere. Er fahre jetzt mit dem Privatauto und könne sogar noch einparken. Stahlknecht gilt als jemand, der Verbitterung hinter einem Lächeln verstecken kann.

Nun wurde er, der seit 2002 im Parlament sitzt, für weitere fünf Jahre in den Landtag gewählt. Nicht wenige in der Union macht das unruhig. Sie glauben, dass Stahlknecht Rachegelüste habe und bei geheimen Abstimmungen gegen die eigene Regierung stimmen könnte. „Das ist doch völliger Unsinn , sagt Stahlknecht. „Wenn manche Leute denken, ich wäre so kleinlich, kennen sie mich schlecht. Ich bin kein nachtragender Mensch.“ Und: „Ich werde bei der Ministerpräsidentenwahl natürlich Reiner Haseloff meine Stimme geben. Wenn die Leute das wünschen, mache ich in der Wahlkabine ein Foto und veröffentliche es bei Facebook.“

Politiker ohne Phantomschmerzen

In der neuen Landtagsfraktion spielt Stahlknecht keine besondere Rolle. Er ist nicht mal Vorsitzender einer Arbeitsgruppe. Stahlknecht selbst hat klargemacht, dass er keine verantwortungsvollen politischen Ämter mehr anstrebe. Nicht in der Landtagsfraktion, nicht in der Regierung. Auch Überlegungen, dass er CDU-Kandidat für die nächste Oberbürgermeisterwahl in Magdeburg werden könnte, erteilt er im Volksstimme-Gespräch eine Absage. „Mein Leben wird jetzt viel harmonischer und vielseitiger sein“, sagt der Politiker. „Ich habe keine Phantomschmerzen“.

Am Samstag will Stahlknecht zum Präsidenten des Fußballverbandes gewählt werden. Es brauche eine Professionalisierung des gesamten Leitungsstabs, sagt er. Zudem müsse die Glaubwürdigkeit des Verbandes vor allem an der Basis wieder hergestellt werden. Im vorigen Jahr war bekanntgeworden, dass rund 400.000 Euro beim Fußballverband veruntreut worden waren. Mit schwierigen Fällen kennt sich Stahlknecht aus. Als Sportminister brachte er den am Abgrund stehenden Landessportbund (LSB) wieder zurück in ruhige Fahrwasser. Das managte er gemeinsam mit dem damaligen LSB-Präsidenten Andreas Silbersack. Beide sehen sich jetzt häufiger. Denn Silbersack wurde für die FDP in den Landtag gewählt.