1. Startseite
  2. >
  3. Sachsen-Anhalt
  4. >
  5. Leseranwältin
  6. >
  7. Leseranwältin: Weniger Werbung in der Zeitung, aber auffälligere

Leseranwältin Weniger Werbung in der Zeitung, aber auffälligere

24.11.2025, 07:00
Leseranwältin Heike Groll
Leseranwältin Heike Groll VS

Werbung muss auffallen, um viele Menschen zu erreichen. Das gilt ebenso für Anzeigen in der Zeitung, meist ist dies für Leser auch in Ordnung. Entschieden zu weit aber geht etlichen, wenn wie zuletzt am 3. September und erneut geplant für den 27. November die Titelseite und die zweite Seite aus ganzseitigen Anzeigen bestehen und die „richtige“ Zeitung erst danach beginnt. Die Volksstimme sehe wie ein Werbepostille aus, eine Zumutung. Ohnehin gebe es viel mehr großflächige Werbung als früher, zulasten des redaktionellen Inhalts.

Auch innerhalb der Volksstimme wird die Form kontrovers diskutiert. Die einen weisen auf die Gefahr hin, dass die Zeitung mit einem Prospekt verwechselt werden könne und dabei der redaktionelle Qualitätsanspruch aus dem Blickfeld verdrängt werde. Und wem falle schon auf, dass eine solche Ausgabe 28 Seiten (davon 23 redaktionelle) enthalte statt wie sonst 24 (mit 21 bis 22 redaktionellen)?

Die Leseranwältin schließt sich dem an und kann zugleich die Argumente der anderen Seite nicht von der Hand weisen. Die Volksstimme erhält keine staatlichen Zuschüsse, sie muss sich aus zwei Quellen selbst finanzieren: Dem, was die Leser zahlen, und den Anzeigenerlösen. Bis zur Jahrtausendwende stammte ein Drittel der Einnahmen aus dem Vertrieb, zwei Drittel aus Werbung. Heute ist es umgekehrt, das verbliebene Drittel bleibt wichtig; ohne müssten die Abo-Preise erheblich stärker steigen.

Wenn die Werbe-Umsätze gesunken sind, irren dann diejenigen, die mehr Groß-Werbung beobachten? Es stimmt, die Anzahl der ganzseitigen Anzeigen ist höher als vor 25 Jahren. Jedoch verteilten sich die Anzeigen damals auf mehr Seiten. Vergleicht man den Gesamtumfang, stellt man fest: Heute ist de facto weniger, aber auffälligere Werbung im Blatt. An einzelnen Formen werden sich die Geister weiter scheiden.

Doch klar ist: Medienhäuser brauchen Werbung, um unabhängigen Journalismus anbieten zu können.