Magdeburg l Der Bundestag hatte bereits Ende 2018 einen Neustart für Cochstedt eingeläutet: 522 Millionen Euro überweist die Bundeskasse an die Luftfahrtforscher vom DLR. Darin enthalten sind 57 Millionen Euro für den Aufbau fünf neuer Institute - darunter ist das Drohnen-Testzentrum in Cochstedt. Der Flugplatz im Salzlandkreis, gut 35 Kilometer südlich von Magdeburg gelegen, ist dann einer von 26 deutschen DLR-Standorten. Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagt auf Nachfrage der Volksstimme: „Das ist ein echter Hauptgewinn für Sachsen-Anhalt.“

Das Land Sachsen-Anhalt hatte mit seinem Regionalflughafen bislang wenig Glück. In den 90er Jahren flossen 60 Millionen Euro Steuergelder in das Projekt, doch Investoren bissen entweder nicht an oder sprangen wieder ab. 2010 verkaufte Sachsen-Anhalt den Airport an die dänische Air Development für gut eine Million Euro. Unter Regie der Dänen flog Ryanair von 2011 bis 2013 Urlauber nach Spanien. Kleinere Gesellschaften boten Ziele in Ägypten und Deutschland an. Doch das Geschäft kam nie in Schwung. Die jährlichen Passagierzahlen erreichten maximal 76.000.

Um schwarze Zahlen zu schreiben, wären 400.000 nötig gewesen. 2016 meldeten die Dänen Insolvenz an. Als 2017 die Forscher vom DLR Kaufinteresse anmeldeten und im Jahr darauf der Bundestag zudem viele Steuer-Millionen springen ließ, sahen die Dänen ihre Chance gekommen, ihre Verluste zu minimieren. Gut 30 Millionen Euro hatten sie investiert. Ein Verkaufspreis von mehr als 20 Millionen Euro machte die Runde. Diese Summe wollte DLR nicht zahlen.

Schließlich einigte man sich auf 15,8 Millionen Euro. Das entspricht einem Verkehrswertgutachten. Das Geschäft soll so ablaufen: DLR legt die Kaufsumme hin und steckt weitere zehn Millionen Euro in das Drohnen-Testzentrum. Sachsen-Anhalt überweist den DLR-Forschern zugleich bis 2029 jährlich Fördergelder. In zehn Jahren kommen exakt 15,815 Millionen Euro zusammen - also exakt der Kaufpreis für den Airport.

Die DLR-Forscher setzen darauf, dass in den nächsten Jahren die Nachfrage nach leistungsfähigen Drohnen für zivile Einsätze weiter steigt. So bei Polizei und Feuerwehr: Die mit Kameras ausgerüsteten Mini-Flieger liefern ein zuverlässiges Lagebild. Zudem können sie schnell Medikamente an Unglücksorte bringen. Künftig stehen auch Paket- und sogar Passagierflüge auf dem Programm. Bereits im vergangenen Oktober testete DLR in Cochstedt einen unbemannten Hubschrauber. Die Drohnen sollen etwa bei Erkundungsflügen Informationen sammeln und Hubschrauber-Piloten entlasten.

Aus der Bundeskasse gefördert

Das DLR (Hauptsitz Köln) ist ein eingetragener Verein und wird vor allem aus der Bundeskasse gefördert. Es hat bundesweit 8200 Mitarbeiter. In Cochstedt kommen 30 bis 40 hinzu.