Archäologie

Mittelalterliches Prahmboot war schwer zu versenken

Das von Unterwasserarchäologen im Arendsee gesicherte Prahmboot war nach ersten Erkenntnissen ein sehr seetüchtiges und stabil gebautes Boot aus Eichenholz. Die Bergung soll später mit einer Spezialkonstruktion erfolgen.

Von dpa 01.10.2021, 15:22 • Aktualisiert: 03.10.2021, 08:01
Helfer des Technischen Hilfswerkes lassen am Arendsee ein Boot zu Wasser.
Helfer des Technischen Hilfswerkes lassen am Arendsee ein Boot zu Wasser. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Arendsee/Halle - Ein rund 800 Jahre altes Prahmboot im Arendsee ist von Unterwasser-Archäologen in fünftägiger Arbeit zur Hälfte freigelegt worden. Prahm war ursprünglich eine flache Fähre, später ein Transportschiff mit schlanker und flacher Rumpfform. „Es ist ein Plankenboot, das von Bootsbauern hergestellt wurde“, sagte Archäologe und Projektleiter Sven Thomas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Ursprünglich ging man davon aus, dass es ein gespaltener Einbaum war.“

Noch sei es im Wasser nicht erkennbar, aber vermutlich habe das Boot auch einen Kiel und nicht wie bislang angenommen einen Flachboden. Den Kiel braucht man, um das Schiff gegen Seitenwinde zu stabilisieren.

Die Bergung soll im Spätsommer 2022 erfolgen. „Dafür wurde schon ein Konzept ausgearbeitet, denn so etwas hat es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben“, sagte Thomas. Dafür werde von einer Plattform zentimetergenau über dem Boot ein Aluminiumgestell in die Tiefe gelassen. Der Prahm werde mit Gurten gesichert und hochgezogen. Knapp unter der Wasseroberfläche kommt der Prahm dann in einen Transportbehälter. Der Fund wird sofort in die Werkstatt nach Halle transportiert und dort in ein Becken mit flüssigem Kunststoff getaucht. Innerhalb von drei Jahren soll so das Boot konserviert werden.  

Nach Abschluss der Arbeiten am Freitag wurde das Boot mit speziellen Gewebebahnen vor dem weiteren Zerfall geschützt. Das 12,5 Meter lange Boot liegt in 32 bis 34 Meter Tiefe. Erste Details zeigen Sitzbänke und einen Mastschuh, das ist die Basis für den Mast im Schiff. Als kurioser Fund lag im Boot ein etwa zehn Zentimeter langer holzgeschnittener Fisch, vermutlich auch rund 800 Jahre alt.

„Das war ein sehr seetüchtiges Schiff, das auch durch stürmisches Wetter schwer zu versenken war“, sagte Thomas. Möglicherweise wurde der Prahm bewusst mit Ballaststeinen versenkt. Die Steine sind auf Aufnahmen zu sehen.

Für das gesamte Projekt wurden bislang Kosten von rund 250 000 Euro veranschlagt. „Allein die Konservierung des Bootes kostet etwa 200 000 Euro“, sagte Thomas.

Das Transportboot stammt aus der Zeit um 1265 und wurde bereits vor einigen Jahren entdeckt. Vermutlich wurde das Wassergefährt zum Transport von Bewohnern eines Klosters und von Materialien benutzt.

Mit 55 Metern Tiefe gilt der Arendsee als einer der tiefsten natürlichen Seen in Norddeutschland.