Numerus Clausus

Neue Regeln erleichtern Zugang zur Uni

50 Jahre nach Einführung bröckelt der zentrale NC als Instrument der Studienplatzvergabe. In Sachsen-Anhalt stößt das auf Kritik.

Von Alexander Walter 10.04.2018, 01:01

Magdeburg l Wer auf direktem Weg ins Medizinstudium will, darf sich im Abi kaum Schnitzer erlauben: Für Sachsen-Anhalt galt zum Wintersemester wieder einmal ein zentraler Numerus clausus (NC) von 1,0. Das geht so nicht, urteilte das Bundesverfassungsgericht im Dezember. Ein Grund: die fehlende Vergleichbarkeit der Abiturabschlüsse in Deutschland.

50 Jahre nach Einführung des zentralen NC müssen Bund und Länder die Regelungen nun bis Ende 2019 überarbeitet haben. Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD): „Wir müssen davon wegkommen, dass allein die Abiturnote zählt“, sagte er. Das gelte für Humanmedizin, aber auch für andere populäre Studiengänge wie Zahnmedizin, Psychologie oder Pharmazie. Der Minister will sich auf Bundesebene dafür stark machen, Vorausbildungen wie Krankenpfleger hier stärker zu berücksichtigen.

Denkbar sei auch eine stärkere Gewichtung einzelner Noten in Abifächern, die für das jeweilige Studium besonders relevant sind, etwa Naturwissenschaften. Reformen für Sachsen-Anhalt plant der Minister innerhalb von zwei Jahren. „Wir beginnen gerade Verhandlungen mit den Hochschulen, um ein praktikables Vergabesystem zu gestalten.“ Direkten Zugriff hat das Land allerdings nur auf einen Teil der Plätze. Grund ist ein Wirrwarr von Zuständigkeiten beim NC. Einst eingeführt, weil es zu viele Bewerber für zu wenige Plätze gab, gilt der zentrale NC bis heute nur für Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie. Seit 2004 müssen die Hochschulen die Plätze hier nach einem Schlüssel vergeben: 20 Prozent direkt über den zentralen NC, 20 Prozent über Wartezeit, 60 Prozent über hochschulspezifische Kriterien wie Eignungstests. Nur bei letzteren kann Sachsen-Anhalt in Eigenregie nachsteuern. Gleiches gilt für populäre Fächer wie Psychologie, für die die Hochschulen lokale NC eingeführt haben.

Auch beim zentralen NC deuten sich Neuerungen an: Eckpunkte für einen notwendigen Staatsvertrag der Länder wollen die Kultusminister im Mai vorstellen. Um die fehlende Vergleichbarkeit des Abi-Schnitts auszugleichen, fordert etwa die Deutsche Gesellschaft für Psychologie zusätzlich bundesweit einheitliche Eignungstests.

Mit einem solchen naturwissenschaftlichen Test arbeitet die Uni Magdeburg in der Humanmedizin schon seit 2012. Bewerber, die nicht direkt über den zentralen NC einen Platz erhalten, können so ihre Chancen verbessern, sagt Lehrkoordinatorin Karin Werwick. Erfahrungen zeigen: Die beste Abinote allein ist kein Platz-Garant mehr. Mancher vermeintlich sehr gute Absolvent scheitert. Stattdessen schaffen es mit Test jedes Jahr auch Bewerber mit einem Abi-Schnitt von 1,8 ins Studium.

Den NC ergänzende Pflicht-Eignungstests würde auch Sachsen-Anhalts Zahnärztekammer begrüßen. Die Ärztekammer spricht sich unterdessen für ein weiteres, ungewöhnliches, Kriterium aus. Sie fordert, einen Teil der Studienplätze bevorzugt an Landeskinder zu vergeben. Die Hoffnung: Mehr in Sachsen-Anhalt ausgebildete Ärzte auch im Land zu halten.

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