Magdeburg l Sachsen-Anhalt sucht händeringend Personal: Lehrer, Polizisten, Justizbeamte. Weil es immer schwieriger wird, geeignete Bewerber zu finden, ließen die Ministerien 2018 laut einer Vorlage des Finanzministeriums dennoch 56 Millionen Euro Stellenmittel ungenutzt. Das entspricht dem Papier zufolge rund 1500 unbesetzt gebliebenen Stellen.

Einen der größten Posten bilden die Lehrer. Zwar stellte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) 2018 mit mehr als 1000 Lehrern so viele Pädagogen ein wie nie. Das reichte aber nicht, um das angepeilte Ziel von 14.272 besetzten Lehrerstellen zu erreichen. Grund ist laut Sprecher Stefan Thurmann neben fehlenden Bewerbern auch eine dreistellige Zahl von Abgängen etwa durch Renteneintritt. Am Ende blieb allein das Bildungsministerium 383 Stellen hinter dem Soll.

Besserung ist nicht in Sicht: Bis 30. April waren laut Finanzministerium nur 29 Prozent der freigegebenen Stellen über alle Ressorts hinweg – also Lehrer, Polizei, Justiz, Verwaltung – besetzt. Im Vorjahr waren es schon drei Prozent mehr. „Wir haben mehr Stellen als Köpfe“, sagt Finanzminister Schröder.

Gleichzeitig wächst das Einstellungsziel für Lehrer. Hintergrund sind Empfehlungen von Experten angesichts steigender Schülerzahlen und alternder Kollegien. Nach 14.272 Stellen 2018 soll das Bildungsministerium daher Ende 2019 schon 14.500 Stellen besetzt haben, ein Jahr später 14.621. Die Schere zwischen Anspruch und Realität könnte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) jetzt auf die Füße fallen. In der Vorlage des Finanzministeriums heißt es weiter: „Aufgrund der Nichtausschöpfung der Vollzeitstellen-Ziele sowohl 2018 als auch mit hoher Wahrscheinlichkeit 2019, ist eine weitere Erhöhung kritisch zu betrachten.“

Die Idee: Durch Deckelung des Stellenziels könnte das Land sparen. Das ist nötig. Wegen langsamer steigender Steuereinnahmen klafft aktuell ein Loch von 1,9 Milliarden Euro für 2020/21 im Haushalt. Bildungsministeriums-Sprecher Thurmann warnt indes: „Wir brauchen Spielraum, um vernünftige Ausschreibungen auflegen zu können.“ Ohne die freien Mittel von 2018 hätte etwa die Ausschreibung von fast 900 Lehrerstellen im Februar deutlich kleiner ausfallen müssen.

Differenz wächst wohl weiter

SPD-Haushaltsexperte Andreas Schmidt befürchtet derweil eine weiter wachsende Differenz zwischen Zielen und erfolgten Einstellungen. Gewinne das Bildungsministerium nicht endlich mehr Lehrer, dürfte es zum Halbjahr 2020 bereits 1000 Stellen hinter dem Soll liegen – mit Folgen für die Unterrichtsversorgung. Schon 2017/18 hatte der Ausfall an den Schulen mit 493.000 Stunden ein Rekordniveau erreicht.

Schmidt fordert von Tullner, einen Teil der Lehrerstellen endlich ohne Fristen dauerhaft auszuschreiben, und zwar regional statt schulscharf. Unterstützung erhält er von der Linken. Thurmann sagte: Man sei bereits im Quasi-Dauerausschreibemodus, mit Tests regionaler Ausschreibungen habe man nur mäßigen Erfolg erzielt.