Halle (dpa) l „Du bist allein mein Herr und Meister, ich bin dein Schüler. Das und viel mehr wäre von dem Evangelio zu sagen, aber ich bin zu schwach, wir wollens hierbei Bleibenlassen.“ Mit diesen Worten schloss Martin Luther (1483-1546) seine letzte Predigt am 14. Februar 1546 auf der Kanzel in der Andreas-Kirche in Eisleben.

Die Kanzel, auf der Luther das letzte Mal stand, wird jetzt umfassend restauriert. Momentan befindet sich der Schalldeckel in der Werkstatt von Restaurator Peter Schöne in Halle. Die Generalüberholung dauert etwa ein halbes Jahr. „Jetzt ist auch das Alter der spätgotischen Kanzel genau bekannt“, sagt Schöne. Auf einem Holzbrett im Schalldeckel ist das Datum 1518 deutlich zu erkennen.

Wenn die Arbeiten erledigt sind, kommen die Kanzelteile einzeln in maßgeschneiderte Kisten und werden in die USA geflogen. Schöne und seine Mitarbeiter bauen dort im Ausstellungsraum alles wieder zusammen. Die Arbeiten stehen im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum und der Luther-Ausstellung „Here I stand ...“ in drei Städten der USA. Am 31. Oktober 1517 soll Luther der Überlieferung nach in Wittenberg 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben. Das Datum gilt als Beginn der weltweiten Reformation.

„Das Projekt bietet uns eine einmalige Gelegenheit, in den USA nicht nur auf das Reformationsjubiläum 2017 in Deutschland, sondern auch auf die bedeutenden authentischen Zeugnisse und Stätten aus Luthers Zeit aufmerksam zu machen, die sich hier, im Geburtsland der Reformation, erhalten haben, und wo es noch viel zu entdecken gibt“, sagt Projektkoordinatorin Tomoko Emmerling.

Die Eisleber Kanzel ist eines der herausragenden Exponate der größten Ausstellung vom 30. Oktober 2016 bis zum 15. Januar 2017 in Minneapolis. Die Einrichtung bezahlt rund 65 000 Euro für die Arbeiten an der Kanzel. Pünktlich zum Jubiläum soll die Kanzel dann wieder in Eisleben stehen. Am 7. Oktober wird in New Yorks „The Morgan Library & Museum“ die erste der drei Schauen eröffnet. Dann folgt Atlanta. Insgesamt werden in den drei US-Städten rund 400 Exponate aus Deutschland präsentiert.