Magdeburg l Die 244-seitige Studie wurde von Kölner Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich (FOGS) erstellt. Mit ihr gebe es erstmals seit 22 Jahren eine detaillierte Übersicht der vorhandenen psychiatrischen Strukturen im Land, erklärte Sozialministerim Petra Grimm-Benne (SPD) bei der Vorstellung gestern beim 2. Psychatriesymposion in Magdeburg. Danach habe Sachsen-Anhalt bei der Versorgung psychisch kranker und seelisch behinderter Menschen zwar gute Wege eingeschlagen, „doch die Angebotsstruktur hat sich regional sehr unterschiedlich entwickelt.“ Es gibt nur wenige niedrigschwellige Angebote auf kommunaler Ebene und wenig Koordination und Steuerung.

Defizite sehen die Forscher um FOGS-Dikektor Professor Rudolf Schmidt vor allem bei der Versorgung betroffener Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener. Demnach gibt es in Sachsen-Anhalt lediglich 20 niedergelassene Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie. In fünf Landkreisen, darunter der Altmarkkreis Salzwedel und der Salzlandkreis, gibt es gar keine Niederlassung.

„Darum kommt es auch zu stationären Behandlungen, wo diese vermeidbar wären“, kritisiert die Sozialministerin. Es gebe kein engmaschiges Netz von ambulanten Hilfsangeboten. Das führe zu Wartezeiten bis zu mehreren Monaten. Es gelte, die weißen Flecken zu gestalten und künftig eine schnelle Hilfe vor Ort anzubieten. „Dabei braucht es nicht eine Vielzahl neuer Einrichtungen, wichtiger sind gute Vernetzung und Koordination sowie funktionierende Kooperationen auf kommunaler Ebene“, so die Ministerin. Sie kündigt für Ende des Monats auf der Internetseite des Sozialministeriums einen digitalen Wegweiser zur psychiatrischen Versorgung an.

Laut FOGS-Studie haben im Jahr 2016 in Sachsen-Anhalt rund 800.000 Menschen mindestens eine „F-Diagnose“ (Psychische und Verhaltensstörungen) von ihrem Arzt erhalten – das sind ein Drittel der Bevölkerung. Ob die Zahl der tatsächlichen Erkrankungen wirklich so hoch eingeschätzt werden kann, ist umstritten.

Die gesetzlichen Krankenkassen wie die Barmer oder auch die AOK bestätigen zwar eine Zunahme der psychischen Erkrankungen, führen dies aber eher auf eine „höhere Sensibilität gegenüber psychischen Störungen“ zurück. So seien lediglich rund 17 Prozent aller im niedergelassenen Bereich vergebenen Diagnosen in den entsprechenden Fachpraxen gezählt worden.