Magdeburg l Mit dem Fahrplanwechsel Anfang Dezember sollte auf Sachsen-Anhalts Regionalbahnlinien eine neue Ära beginnen: mit moderneren Wagen, mehr Service und Komfort. Das Land vergab das so genannte Dieselnetz mit Linien in den Regionen Magdeburg, Altmark und Harz an Abellio. Die deutsche Tochter des niederländischen Staatskonzerns hatte sich im Bieterverfahren gegen DB Regio und HEX durchgesetzt. Abellio bekam einen Vertrag bis 2032. Das Land überweist dem Unternehmen jährlich gut 120 Millionen Euro. Dafür will man aber auch Leistung sehen. Doch die ersten Wochen waren ein glatter Fehlstart. „Wir sind sehr unzufrieden“, sagt Rüdiger Malter, Chef des landeseigenen Verkehrsunternehmens Nasa. Das vergibt und überwacht die Nahverkehrsleistungen.

Die Mängelliste ist lang: Weil Lokführer und Schaffner fehlen, fahren an Werktagen Busse statt Züge. Betroffen sind die wichtigen Linien von Magdeburg über Haldensleben nach Wolfsburg sowie von Stendal nach Wolfsburg. Bus-Ersatz gibt es auch von Magdeburg nach Bernburg. Gestern waren 15 Züge ausgefallen. Pendler erfahren oft erst nachmittags auf der Internetseite, wie es am nächste Tag aussieht. An Wochenenden fallen bis zu 20 Züge total aus. Auch im Harz.

35 Lokführer fehlen

Laut Vertrag soll zudem auf jedem Zug ein Schaffner mitfahren. Doch auch das klappt nicht. Obwohl Abellio bereits 2016 den Zuschlag bekam und zwei Jahre Zeit hatte, fehlen für Sachsen-Anhalt immer noch 35 Lokführer und 50 Schaffner. Trotz Tarif und einem Lokführer-Einstiegsgehalt von 2700 Euro. „Es wird immer schwieriger, Personal zu finden“, sagt Sprecher Matthias Neumann. Gut 100 Leute konnte man von HEX übernehmen. Von der Deutschen Bahn ließ sich aber so gut wie niemand für einen Wechsel erwärmen. Nun behilft sich Abellio mit Leiharbeitern - die kommen zum Teil vom Konkurrenten DB Regio. Doch mit der Schulung und Ausbildung kommt man auch nicht hinterher. Wann wird es besser? Der Sprecher bleibt vage: „Es ist nicht auszuschließen, dass es auch im neuen Jahr noch zu Ausfällen kommt.“ Abellio braucht in Sachsen-Anhalt insgesamt 360 Lokführer und 360 Schaffner: Für das neue Dieselnetz im Norden sowie das bereits seit 2015 befahrene Südnetz (Halle/Sangerhausen).

Auch bei der Technik klemmt es, obwohl viele der Lindt-Züge (Salzgitter) nagelneu sind. Fahrkartenautomaten gehen nicht richtig, Heizungen fallen aus, Getriebeprobleme.

Was läuft falsch?

War die Vergabe an Abellio falsch? Nasa-Chef Malter verneint: Das Angebot sei das beste gewesen. Für die Ausfälle wird die Nasa nun Strafen erheben. Die sind immer fällig, wenn Bahnunternehmen patzen. Im ersten Halbjahr waren das im ganzen Landes-Netz fast 9 Millionen Euro.

Hier finden Sie unseren Kommentar "Autobahn statt Eisenbahn" zum Thema.