Werkserweiterungen sorgen bis 2013 für 1800 neue Arbeitsplätze / Zulieferer und Mitarbeiter auch aus Sachsen-Anhalt

Autoboom in Leipzig bei BMW und Porsche

Von Oliver Schlicht

Die Automobilbauer BWM und Porsche wollen ihre Produktionskapazitäten in Leipzig bis 2013 erheblich aufstocken. Davon profitieren auch Arbeitnehmer und Zulieferer aus Sachsen-Anhalt.

Leipzig l Die Show war fernsehtauglich. Knapp tausend Mitarbeiter und Gäste standen vergangene Woche vor der Bühne in der Werkhalle von BMW, um das einmillionste, in Leipzig produzierte BMW-Fahrzeug zu feiern. Zwar waren neben den BMW-Managern auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zur Autoehrung gekommen, der Moderator entschuldigte aber, dass US-Schauspieler Tom Cruise leider verhindert sei. "Er ist heute in der Münchner Firmenzentrale zu Gast", hieß es, um den Erbauern seines Mission-Imbossible-Dienstwagens persönlich zu danken. Immerhin donnerte der Tom dann per eingespieltem Filmtrailer gleich mit mehreren futuristischen BMW auf der Leinwand durch die Leipziger Werkhalle. Die Arbeiter jubelten. Wer baut schon das Auto für den aktuellen Hollywood-Blockbuster?

Auch Magdeburg war im Visier von BMW

Im März 2005 hatte die Serienproduktion im neuen BMW-Werk begonnen. Zur Jahrtausendwende lag bei der Standort-Ausschreibung für dieses Werk auch die Stadt Magdeburg ganz gut im Rennen. Doch Leipzig erhielt den Zuschlag. Heute laufen dort täglich 740 Fahrzeuge des X1 und der 1er Reihe vom Band. 2800 Leute arbeiten bei BMW mit BMW-Vertrag. "Auf dem Werksgelände sind mit den Zulieferfirmen insgesamt 5200 Menschen beschäftigt", erklärt Jochen Müller, Pressesprecher bei BMW.

Und die kommen längst nicht nur aus Sachsen. Müller: "Von den 2800 BMW-Beschäftigten haben etwa 600 ihren Wohnsitz in Sachsen-Anhalt." Das ist auch kein Wunder, liegt doch die Landesgrenze nur etwa 20 Kilometer vom Werk entfernt. Auch Zulieferer aus Sachsen-Anhalt sind fester Bestandteil der BMW-Produktion in Leipzig. So unterhält etwa die Intier Automotive Näher GmbH aus der Nähe von Stuttgart eine große Niederlassung bei Bitterfeld. Dort werden die Schaumstoffverkleidungen und Schallisolierungen der Leipziger BMW-Fahrzeuge hergestellt. Die Hoym Druckguss GmbH aus dem Salzlandkreis stellt Teile von Motorblöcken und Ölpumpengehäuse für BMW her.

Aus Sicht von Sachsen-Anhalts Zulieferer ist es bestimmt eine gute Nachricht, dass BMW seine Kapazitäten in Leipzig erheblich aufstocken will. 1,3 Milliarden Euro haben die Bayern bislang in die sächsische Metropole investiert. Müller: "400 Millionen Euro werden bis 2013 folgen. Geplant ist ein neues Produktionszentrum. In Leipzig wird die Fertigung von Elektrofahrzeugen zentral angesiedelt werden." 800 neue Arbeitsplätze werden bei BMW entstehen.

Auch Porsche will in Leipzig seine Edelmanufaktur ausbauen. Nur unweit vom BMW-Gelände unterhält der Sportwagenbauer seit 2003 ein Werkszentrum mit Teststrecke, Porschemuseum und Produktionsstrecke. Bis 2010 investierte Porsche 277 Millionen Euro in den Standort. In Leipzig wurden bislang Automobile aus angelieferten Komponenten zusammengeschraubt - von Monteuren mit weißen Handschuhen an einem ultramodernen Montageband. 850 Beschäftigte arbeiten bei Porsche. Bis 2013 sollen weitere 1000 Beschäftigte hinzukommen.

Der "Cajun" wird ab 2013 in Leipzig gebaut

Im Frühjahr fiel in der Zuffenhausener Konzernzentrale die Entscheidung, den "Cajun" in Leipzig bauen zu wollen. 500 Millionen Euro will Porsche in die Werkserweiterung investieren. Ende 2013 soll die Vorserieninbetriebnahme starten. Auf 17 Hektar entstehen ab dem Frühjahr ein neues Versorgungszentrum, Montagehallen, ein Kraftwerk und eine Karosseriebaufertigung und eine große Lackiererei. Bislang montiert Porsche in Leipzig die Modelle "Carrera GT", "Cayenne" und seit 2009 den "Panamera".

Und auch bei Porsche in Leipzig ist Sachsen-Anhalt gut vertreten. 21 Prozent der Belegschaft - das sind etwa 180 Mitarbeiter - wohnen nach Unternehmensangaben in Sachsen-Anhalt. Die Intier Automotive Näher GmbH arbeitet nicht nur für BMW, sondern auch für Porsche. Aus dem mittleren und nördlichen Sachsen-Anhalt kommen Zulieferer wie Polytec aus Wolmirstedt (Kunststoffteile), IFA Rotorion aus Haldensleben (Wellen und Gelenke) und die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH (Kunststoffteile, ehemals AKT) aus der Hansestadt Stendal.

So gesehen ist die positive Entwicklung des Automobilbaus am Standort Leipzig auch für Sachsen-Anhalt eine gute Nachricht. Denn er sichert auch hierzulande Arbeitsplätze.