Kostenexplosion

Brauereien in Sachsen-Anhalt heben Preise an

Sachsen-Anhalts Bierbrauer stöhnen unter enormen Kostensteigerungen. Schon jetzt klettern auch die Preise für die Verbraucher nach oben. Experten rechnen mit einem Anstieg von bis zu 30 Prozent.

Von Christoph Carsten 10.05.2022, 17:46
Auch in Sachsen-Anhalt steigt der Bierpreis.
Auch in Sachsen-Anhalt steigt der Bierpreis. Foto: dpa

Magdeburg - Verbraucher in Sachsen-Anhalt müssen künftig wohl deutlich mehr für ihr Bier bezahlen. Denn die Kosten für die Brauereien klettern derzeit in ungeahnte Höhen. „Ob Paletten, Braumalz, Bierdeckel oder Kronkorken – die Preise gehen durch die Decke“, sagte Nina Göllinger, Sprecherin beim Deutschen Brauerbund.

Das betrifft auch Brauereien in Sachsen-Anhalt. „Wir beobachten derzeit massive Kostensteigerungen bei Energie und bei Rohstoffen, aber auch in der Logistik“, bestätigte Fried Allers, Sprecher der Hasseröder Brauerei mit Sitz in Wernigerode. Die gesamte Braubranche stehe vor „großen Herausforderungen“. Hasseröder versuche deshalb, den eigenen Energieverbrauch zu reduzieren.

In der Folge zahlen auch die Endkunden drauf. Laut dem Statistischen Landesamt war der Bierpreis in Sachsen-Anhalt im April dieses Jahres um 3,4 Prozent höher als im März. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Anstieg sogar 5,4 Prozent.

Experten halten noch sehr viel dramatischere Preiserhöhungen für möglich: Stefan Fritsche, Vize-Chef beim Brauereiverband Berlin, prognostizierte jüngst in der „Bild“-Zeitung einen Anstieg um bis zu 30 Prozent bis zum Jahresende. Schon im Herbst 2021 hatten mehrere große Brauereien in Folge der Corona-Pandemie eine Preisanpassung im Handel angekündigt.

Wer dieser Tage im Kult-Brauhaus „Brewckau“ in Magdeburg-Buckau eine Flasche „Tach Hell“ bestellt, muss deshalb seit dem Jahreswechsel 1,92 Euro zahlen. Zuvor kostete das Lagerbier 1,82 Euro.

Inhaber Robert Kellermann, der die Gaststätte mit angeschlossener Brauerei seit 2017 betreibt, erklärte das Dilemma vieler Bierbrauer: „Wir müssen die Preise anheben, aber zugleich auch sehen, wie lange die Kunden mitgehen. Das ist ein Spagat.“ Zwar werde nicht weniger produziert, aber: „Die Lieferketten sind komplizierter geworden. Wir müssen anders planen“, sagte Kellermann.

Belastung für kleine Betriebe

Lieferengpässe wegen des Krieges in der Ukraine gibt es laut dem Deutschen Brauerbund bei Rohstoffen wie der Braugerste aktuell zwar noch nicht. Doch der Druck auf die europäischen Anbauflächen habe sich massiv erhöht. Mit der Explosion der Energiepreise sei insbesondere Braumalz immer teurer geworden.

„Gegenwärtig liegen die Malzpreise bis zu 80 Prozent über dem Vorjahresniveau“, sagte Göllinger. Die Preise für Strom sind Branchenverbänden zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 250 Prozent, die für Gas sogar um 430 Prozent gestiegen.

Die aktuelle Situation trifft kleinere Privatbrauereien in Sachsen-Anhalt ungleich härter als die Branchengrößen.

Christof Hawerkamp, Marketing-Chef beim Sudenburger Brauhaus in Magdeburg, sagte: „Handwerklich gefertigtes Bier hat eine Kostenstruktur, die nicht vergleichbar ist mit den Industriebrauereien.“ Wegen geringerer Chargen und kurzfristigerer Verträge würden etwa höhere Malzpreise die Privatbrauereien ungleich härter treffen.“

Wie es für die Brauereien im Land weitergeht, lässt sich angesichts des ungewissen Verlaufs des Ukraine-Krieges und der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie noch nicht absehen. „Wir fahren mit hohem Tempo durch eine Nebelwand“, sagte Sprecherin Göllinger vom Deutschen Brauerbund.