Havelberg l Zwei Nachrichten zu ältesten Menschen gingen in dieser Woche durch die Medien: Als ältester Mann gilt Masazo Nonaka, der auf der nördlichsten Hauptinsel Japans Hokkaido lebt und dort am 25. Juli 1905 geboren wurde. Er erhielt von der Organisation „Guinness-Buch der Rekorde“ dieses Zertifikat. Die älteste Frau Deutschlands, Edelgard Huber von Gersdorff aus Karlsruhe, ist am Montag gestorben. Auch sie war 112 Jahre alt, hatte am 7. Dezember 2017 diesen Geburtstag gefeiert.

Zwischen diesen beiden Geburtsdaten liegt der Geburtstag des Havelbergers Gustav Gerneth, der seit knapp drei Jahren als ältester Mensch Deutschlands gilt. Nun dürfte er der zweitälteste Mann weltweit sein. Eine hundertprozentige Bestätigung ist dafür nicht zu bekommen und auch die Zahlen, wie viele über Hundertjährige oder gar Hundertzehnjährige es deutschlandweit und weltweit gibt, sind schwer nachzuvollziehen. „Mit diesen Daten ist es unheimlich problematisch“, sagt Sebastian Klüsener vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung Rostock im Gespräch mit der Volksstimme. Geht es um Zahlen, wie viele Höchstaltrige es in Deutschland gibt, können die Wissenschaftler nicht hundertprozentig auf belegte Zahlen und Daten zurückgreifen. Dafür müssten sie von sämtlichen Standesämtern regelmäßig aktuelle Informationen erhalten. Dem ist jedoch nicht so.

Unterlagen verloren gegangen

„In den Listen der über Hundertjährigen gibt es etliche Karteileichen. Wir haben große Probleme zu erfahren, ob die Menschen noch leben. Das ist zum Beispiel bei Arbeitsmigranten der Fall, die einst nach Deutschland gekommen sind und im höheren Alter wieder in ihr Land zurückgegangen sind. Sie sind unter Umständen hier noch gemeldet, aber in ihrem Heimatland schon gestorben. Zudem sind während der Weltkriege oftmals Unterlagen verloren gegangen und die Daten nicht nachweisbar“, beschreibt Sebastian Klüsener die Problematik. Bei den über 110-Jährigen, den sogenannten Supercentenarians, werden die Daten vom Institut geprüft.

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Als wichtige Grundlage für die Statistiken gelten die Forschungsdatenbank IDL und die Human Mortality Database (Datenbank der Sterbetafeln) mit Daten aus 39 Ländern. „Aber auch die Informationen aus dem Bundespräsidialamt sind eine wichtige Quelle für mich“, erklärt Heiner Maier vom Max-Planck-Institut.

Der Bundespräsident gratuliert

Der Bundespräsident gratuliert allen Hundertjährigen zum Geburtstag und ab dem 105. Geburtstag zu jedem Geburtstag. Das sind dann zwar noch immer keine hundertprozentig gesicherten Daten, da auch das Bundespräsidialamt auf Meldungen von den Standesämtern angewiesen ist, doch kommen diese Zahlen der Realität recht nah. 4077 Glückwunschkarten wurden im Jahr 2017 verschickt, davon gingen 3347 an Hundertjährige (494 Männer und 2853 Frauen), wie Anna Engelke, Sprecherin des Bundespräsidenten, mitteilt. Zum 105. Geburtstag wurden 431 Karten verschickt (45 Männer und 386 Frauen), zum 106. waren es 135 (17/118), zum 107. 88 (6/82), zum 108. 42 (5/37), zum 109. 19 (1/18), zum 110. sieben (1/6), zum 111. fünf (alles Frauen), zum 112. drei (2/1). Im Jahr 2015, als Gustav Gerneth seinen 110. Geburtstag feierte und sich ins Goldene Buch der Hansestadt Havelberg eintrug, waren es neun Gratulationen zum 110. Geburtstag (1/8). Je eine Gratulation ging zum 111. und zum 112. Geburtstag an eine Frau.

In Deutschland lebten Ende 2016 15.209 Menschen, die 100 Jahre und älter sind, wie das Bundesinnenministerium am Freitag auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion antwortete.