Magdeburg l Seit viereinhalb Jahren betreibt Josephine Clemens das Restaurant „Hoflieferant“ in Magdeburg. Der Laden läuft, die Umsätze entwickeln sich erfreulich und doch ist seit zwei Monaten alles ein bisschen anders. Die 37-jährige Geschäftsfrau hat nun eine kleine Tochter. Die Prioritäten haben sich verschoben und das ist auch ganz wunderbar so, findet Clemens. In der Zeit, in der sie etwas kürzer tritt, ist ihr Team zur Stelle. Bis zu 20 Mitarbeiter und rund zehn Saisonkräfte beschäftigt sie. „Die Gewissheit, dass der Laden weiter gut läuft, ist in jedem Fall da“, sagt sie.

Vollends die Zügel locker lassen, das wird die gebürtige Halberstädterin dann aber wohl doch nicht können. Die Zahlen behält die Gastronomin, die früher zu Hause „Finanzministerin“ genannt wurde, jederzeit im Auge. Und bei der Speisekarte, die alle drei Monate umgestellt wird, wird sie in den kommenden Monaten mindestens ein Wörtchen mitzureden haben.

Karte wechselt alle drei Monate

Was sich im Programm des „Hoflieferanten“ ebenso wenig ändern wird, ist der Schwerpunkt auf Regionalem, Saisonalem, ökologischem Anbau und nachhaltiger Zucht. In der jüngst aufgelegten neuen Karte geht es herbstlich zu, sind Rote-Bete-Knödel mit Pilzen aus dem Umland zu finden. Und die Schwarzbrotsuppe mit Rinderfonds, die sollte man unbedingt mal probiert haben, findet Clemens.

Wichtig dabei: Langsam und entschleunigt soll es beim Essen zugehen. Eine Handvoll Restaurants in Sachsen-Anhalt hat sich der Slow-Food-Bewegung verschrieben, der „Hoflieferant“ ist eines davon. Für die vielen guten Ideen, die Josephine Clemens anstößt, die experimentierfreudige Küche, ist die 37-Jährige mit dem Unternehmerinnenpreis 2019 ausgezeichnet worden.

Eine tolle Ehrung, sagt Clemens. Sie erinnert sich an die kraftraubende Anfangszeit vor der Eröffnung 2015. Bis dahin war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Magdeburg tätig, ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre hatte sie 2009 abgeschlossen.

Lage ist Trumpf

Dann gab es da dieses Restaurant am Fürstenwall in Magdeburg, das einen Nachfolger brauchte. Clemens ergriff die Chance. Und führte das Geschäft mit eigenen Rücklagen und mit klaren Vorstellungen ausgestattet in die Gewinnzone. Ein Trumpf ist die Lage. Der Außenbereich erinnert an einen verwunschenen Garten. Viel mittelalterliches Flair rundherum. Der Magdeburger Dom ist nur einen Steinschlag entfernt. Auch Politiker vom nahegelegenen Landtag kommen gern vorbei. Zu offiziellen Anlässen, die Clemens regelmäßig ausrichtet, sowieso. Aber auch privat.

Für die Zukunft kann sich die Geschäftsführerin vorstellen, den Catering-Bereich auszudehnen. Und ausbilden – das möchte sie perspektivisch ebenfalls. Jetzt dringt aber zunächst mal ein brabbelndes Geräusch aus dem Kinderwagen. Interview beendet.