Halle (dpa) l Das rund 1700 Jahre alte Prunkschild eines germanischen Fürsten ist wahrscheinlich das älteste Tafelbild Deutschlands. Das haben jetzt aufwendige Restaurierungsarbeiten im Landesmuseum Halle ergeben. "Mir ist kein derart bemaltes Schild in Deutschland bislang bekannt", sagte der Leiter der Restaurierungswerkstatt, Christian-Heinrich Wunderlich, der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Tafelbild wird auf flachem, festem Material wie Holz, Ton oder Metall gemalt.

Das Schild mit einem Durchmesser von etwa 1,30 Meter stand in der Grabkammer eines germanischen Fürsten bei Gommern (Landkreis Jerichower Land). "Der untere sichelförmige Schildrand hat sich erhalten und die Farben habe ich an zwei Stellen freigelegt", sagte Gemälderestauratorin Corinna Scherf. "Das Schild war beidseitig bemalt."

Mikroskop zeigt Farbschichten

"Unter dem Digitalmikroskop zeigte sich, dass das Holzschild weiß grundiert wurde, wahrscheinlich mit leimgebundener Kreide", sagte Wunderlich. "Darüber kamen zwei blaue Farbschichten. Ebenso fanden sich Einschlüsse von roter Farbe. Leider sind auf den Holzfragmenten keine Motive mehr zu erkennen."

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Es handelt sich dabei um das sogenannte "Ägyptischblau", ein künstlich hergestelltes Pigment, das im Römischen Reich sehr verbreitet war. Dazu wurden Sand, Kalk und Soda mit groben Kupferspänen und Wasser vermischt und bei 850 Grad im Ofen geglüht. Die entstandenen, glasähnlichen Brocken wurden zu einem groben Pulver zerstoßen. Aber zu fein durften sie nicht gemahlen werden, weil sonst die blaue Farbe verschwand.

Bei dem Rot handelt es sich um Zinnober, ein seltenes, natürlich vorkommendes Mineral aus Quecksilbersulfid. "Heute sind Farben alltäglich. In der Antike waren diese roten und blauen Pigmente sehr teuer und eine exklusive Sensation", sagte Wunderlich.

Eines der reichsten Fürstengräber

Das 1990 entdeckte Fürstengrab von Gommern zählt zu den reichsten Fürstengräbern Europas aus dem späten dritten Jahrhundert. Die Reste des Schildes wurden damals als Fragmente und im Block geborgen. Die moderne Technik ermöglichte es jetzt, die Farbpigmente noch anschaulicher zu untersuchen.

Der etwa 30 Jahre alte Fürst von Gommern wurde entgegen der damaligen Gepflogenheit nicht verbrannt. Zudem wurden in Sachsen-Anhalt das Grab einer germanischen Priesterin in Profen (2007) und das Grab einer reichen Frau in Haldensleben (2010) entdeckt. Auf Grund der wertvollen Grabbeigaben gehen die Archäologen davon aus, dass diese Menschen zu Lebzeiten große Macht hatten.